Finanzkrise
Der Messias löst die Finanzkrise wohl nicht

Rund um den Globus wurde US-Präsident Barack Obama nach dem Wahltag als der Messias gefeiert, der die Welt schnell von der Finanzkrise erlösen werde. Ob das so kommen wird, ist nach der Rede seines Finanzministers Timothy Geithner mehr als zweifelhaft. Die USA zeigen Führungsschwäche. Das verschlimmert die Krise.

Der US-Finanzminister Timothy Geithner hat die von Obama geschürten Hoffnungen auf einen umfassenden und konsistenten Plan, der das Übel bei der Wurzel packen sollte, massiv enttäuscht. Schlimmer noch: Es blieb nicht nur das Signal aus, dass die USA unter der neuen Regierung das vor allem von ihren Banken verschuldete Desaster schnell und kompetent angehen werden. Die Rede des Hoffnungsträgers Geithner offenbarte eine Ratlosigkeit, die die Lage des globalen Finanzsystems nachhaltig zu verschlechtern droht.

Die Erwartungen an Obama waren angesichts des historischen Ausmaßes der Krise astronomisch hoch. Man hätte wissen müssen, dass auch er nicht über das Wasser laufen kann. Aber er hat die Hoffnungen an seine Rolle als Retter selbst geschürt, indem er beständig die fehlende Linie im Krisenmanagement der Vorgängerregierung kritisierte. Unter seiner Führung, so versprach er mehrfach während des Wahlkampfs, werde man das Problem mit einem sauberen Konzept bei der Wurzel packen. Jetzt ist er in der Washingtoner Realität angekommen.

Erstmals enttäuscht wurden die Erwartungen, als Obama trotz angeblich bester Vorbereitung auf sein Amt nicht sofort ein finanzpolitisches Konzept präsentierte. Jetzt, da Geithner seine Ideen mit Verspätung darlegt, zeigt sich, dass er inhaltlich offenbar kaum weiter ist als sein Vorgänger Henry Paulson Anfang Oktober 2008. Geithner hat immer noch keine abschließende Antwort auf die Frage, wie man die toxischen Kreditportfolios aus den Bilanzen der Banken herausbekommt.

Im Boom hatten die US-Institute riskante Kredite im Billionenvolumen vergeben, die nun in der Rezession ausfallen. Befreit man die Banken nicht von dieser Last, droht das Finanzsystem zu kollabieren. Aber soll der Staat Kreditportfolios mit Steuergeldern aufkaufen und sie in einer „Bad Bank“ deponieren? Und wenn ja, zu welchem Preis? Belohnt man damit nicht die verfehlte Geschäftspolitik gieriger Manager? Paulson entschied sich zunächst, trotz aller moralischen Bedenken, für die Einrichtung einer Bad Bank. Zum Erstaunen aller musste der ehemalige Chef von Goldman Sachs, der für seine Expertise immer gerühmt wurde, wenig später eingestehen, dass die Umsetzung in der Kürze der Zeit nicht möglich sei. Stattdessen setzte er auf milliardenschwere Kapitalspritzen.

Spätestens seit dem Machtwechsel fütterten Geithner und seine Helfer die Öffentlichkeit unter der Hand mit der Botschaft, man werde auf das Konzept einer Bad Bank zurückkommen. So erlaube man den Banken mitten in der Krise mit einem klaren Schnitt eine Art Neuanfang. Allein dies stabilisierte die Märkte. Aber auf den letzten Metern vor der Veröffentlichung muss ihnen aufgegangen sein, dass auch ihr neuer Vorschlag die grundlegenden Probleme nicht auf Anhieb lösen kann. Anders kann man das am Dienstag vorgelegte Fragment eines Plans nicht interpretieren.

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