Finanzkrise
Der Schweizer Patient

Konservativ und unangreifbar – so sehen die Schweizer ihre Banken und Versicherer gern. Aber die internationale Finanzkrise hat das Land böse erwischt. Eine Analyse.
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Die Schweizer können es noch immer kaum fassen: Ausgerechnet ihre Finanzinstitute, vom Bankgeheimnis geschützt und von einem milden Steuerklima umgeben, ächzen unter der Finanzmarktkrise so sehr wie nur wenige andere. Ausgerechnet auf den Konten ihrer Banken, die doch gemeinhin als die sichersten der Welt gelten, schwindet das Geld wie Papier unter einem Brennglas. Natürlich nicht das der Kunden. Sondern, was fast noch schlimmer ist, das eigene, das sauer im Investment-Banking verdiente.

Weil der Finanzsektor in dem kleinen Land je nach Berechnung zwischen zwölf und 15 Prozent zur Wertschöpfung beiträgt, bedeutet ein Virus in dieser Branche die Gefahr einer Grippe für das ganze Land. Und das Finanzsystem hat sich mehr als einen Virus eingefangen, wie jeder weiß, seit auch der größte Versicherer des Landes, die Swiss Re, einen Milliardenverlust in der Bilanz entdeckt hat. Die Großbanken hatten zuvor schon einen höheren Abschreibungsbedarf gefunden.

Schon machen sich im Kanton Zürich die Steuerschätzer ans Werk und rechnen aus, welche Spuren die schrumpfenden Gewinne der Großbanken wohl in ihrem Etat hinterlassen werden. Der Schweizer Patient stellt die Fragen, die auch Experten in London und New York umtreiben: Wie lange dauert die Krankheit noch? Welcher Verlauf ist zu befürchten? Wer steckt sich noch an? Zuvor waren wochenlang die Gesundbeter am Werk. Diejenigen, die von Schönheitsfehlern oder allenfalls ein paar Kratzern in der Bilanz redeten. Sie sind inzwischen verstummt. Sie haben eingesehen, dass Finanzinstitute, die beim Aufschwung glänzend verdienen, auch beim Abschwung dabei sind.

Die UBS erwischt es bisher ziemlich genau doppelt so schwer wie die Credit Suisse. Und die Swiss Re hat in der Krise die bisher größte Abschreibung bekanntgeben müssen, mit der sich überhaupt ein europäischer Versicherungskonzern beschäftigen muss. Alle drei wollten auf dem US-Markt, wo lange Zeit die Musik spielte, nicht abseits stehen. Danach hören die Gemeinsamkeiten aber auch schon auf.

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