Finanzkrise
Landesbanken auf Tauchstation

Die Landesbanken sind auf Tauchstation gegangen. Weltweit braust ein beispielloser Sturm über die Finanzmärkte und fegt ein Kreditinstitut nach dem nächsten weg, an Großfusionen gibt es im Schnitt eine vor- und eine nachmittags zu vermelden. Die öffentlich-rechtlichen Institute ducken sich dagegen weg und wirken dabei wie gelähmt.

Lediglich Siegfried Jaschinski, der Chef der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), hat sich in Prag kurz geräuspert und eine Gewinnprognose einkassiert, das war schon alles.Wenn aber die Landesbanken glauben, sie könnten die Krise aussitzen und der Kelch werde irgendwie an ihnen vorübergehen, dann wird die Rechnung nicht aufgehen. Pokern und auf Zeit setzen - eine beliebte Beschäftigung unter den Eigentümern - wird zum Vabanquespiel ums große Ganze.

In noch frischer Erinnerung ist der Zusammenbruch der SachsenLB und der Rettungsschirm für die WestLB, der bereits zu einer Dauerfehde mit den Brüsseler Wettbewerbshütern geführt hat. Doch die echten und politischen Kosten der ersten Subprimewelle - auch für den Steuerzahler - waren noch vergleichsweise überschaubar. Jetzt drohen Wertberichtigungen und Kapitalmaßnahmen in ganz neuen Dimensionen.

Heinrich Haasis, der oberste Krisenmanager der gesamten Finanzgruppe, ist jetzt gefordert. Die Märkte haben eine negative Eigendynamik entwickelt, die schnelles und entschlossenes Handeln der Verantwortlichen erfordert. Dabei ist es nicht mehr damit getan, dass man in endlosen Gremiensitzungen über einen irgendwie gearteten Zusammenschluss zwischen zwei Landesbanken nachdenkt. Große Ereignisse erfordern Mut und große Taten. Die Gruppe muss jetzt eine Antwort finden, die ihr niemand in der Vergangenheit auch nur ansatzweise zugetraut hätte.

Unter dem gegebenen Zeitdruck könnten die Sparkassen als gewichtige Eigentümer der Landesbanken zum Beispiel darüber nachdenken, die ihnen gehörende Landesbank Berlin zu einer Art Holding für die übrigen Banken zu entwickeln. Unter diesem Dach würde man dann das Kapitalmarktengagement, die Immobilienfinanzierung und das Verbund- sowie Mittelstandsgeschäft den einzelnen Häusern als Kompetenzzentralen zuordnen.

Falls nicht alle sieben noch selbstständigen Landesbanken einem solchen revolutionären Schritt folgen wollen, sollten sich zuerst die "Reformwilligen" auf den Weg in eine neue Zukunft machen. Manch altgedientem Sparkassenfürsten oder Landesbanker mag eine solche Idee als märchenhaftes Hirngespinst erscheinen, aber der Preis für ein Weiterwurschteln wie bisher könnte sich bei einem Festhalten an den alten Strukturen am Ende als unbezahlbar erweisen.

Die Antwort auf die Finanzkrise muss schnell, unbürokratisch und dramatisch ausfallen. Auch die Länderfinanzminister und Berlin müssen wachgerüttelt werden, sonst wird man sich in wenigen Monaten wieder rechtfertigen müssen, warum neue Milliardenlöcher bei den Landesbanken zu stopfen sind. Es ist beängstigend, wie sehr sich die Politik über die versenkten Millionen der KfW bei Lehman echauffiert, während sich die Probleme in den öffentlich-rechtlichen Banken der Länder von Tag zu Tag auftürmen.

In den vergangenen Jahren wurde viel Zeit vertan. Das rächt sich nun. Die Geschäftsmodelle der Landesbanken sind in der neuen Bankenwelt nicht mehr zu halten. Durch die Fusionen wachsen mit den Kombinationen Deutsche Bank/Postbank sowie Commerzbank/Dresdner Bank neue Schwergewichte im Privatkunden- und Mittelstandsgeschäft heran. Diejenigen Landesbanken, die stark auf das Wholesalebanking fixiert sind, spüren jetzt schmerzlich die fehlende Primärliquidität aus dem klassischen Kundengeschäft. Wären sie an der Börse notiert, ihre Aktienkurse sähen katastrophal aus.

Die Sparkassen muss diese Entwicklung in Rage bringen. Denn bisher haben sich die dezentralen Verbünde der Sparkassen und Genossen in der Finanzkrise bemerkenswert stabil erwiesen. Die gut 450 Sparkassenchefs vor Ort sind nicht alle in die gleiche Richtung gelaufen und haben die Anlagen diversifiziert. Das stellt sich jetzt als Segen heraus. Die manchmal angestaubt wirkende Strategie beschert den Kunden ruhige Nächte.

Wenn die Landesbanken nicht zum Finanzverbund dazugehörten, könnte Haasis mit diesem Pfund auch politisch wuchern. Schließlich sind weltweit vor allem die privaten Investmentbanken angeschlagen, die mit ihrer absoluten Renditeorientierung eine total konträre Philosophie verkörpern. Sollten am Ende aber die Landesbanken die Haftungssysteme des gesamten Sparkassenverbunds belasten, wäre dieser Trumpf dahin.

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