Finanzkrise: Nicht zuständig

Finanzkrise
Nicht zuständig

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Beim Gipfeltreffen der sieben wichtigsten Industrienationen am kommenden Wochenende in Tokio stehen schon wieder die Finanzmärkte auf der Agenda. Man fragt sich aber, womit sich die Finanzminister und Notenbankgouverneure bei diesen Treffen die Zeit vertreiben. Denn Zweifel an der Effizienz der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit hat gerade wieder der Fall der Société Générale genährt.

Durch das Auflösen von Kontrakten mit einem Volumen von insgesamt über 50 Milliarden Euro hat die Bank dazu beigetragen, dass die Börsenkurse weltweit einbrachen und Anleger Riesenverluste erlitten. Aber nach geltenden EU-Regeln hat die französische Bankenaufsicht völlig korrekt gehandelt, als sie sich in Kenntnis der Fehlspekulationen in Schweigen hüllte.

Die viel beschworene Kooperation in der Bankenaufsicht auf EU-Ebene regelt ein unveröffentlichtes „Memorandum of Understanding“ von 2005. Darin verpflichten sich die Aufseher, Zentralbanker und Finanzminister nur zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, wenn ein nationales Finanzinstitut, das im Ausland Töchter und Filialen hat, in eine Schieflage kommt und seine Ableger im Ausland in Mitleidenschaft gezogen werden. Der Fall Société Générale sei nicht unter diese Regelung gefallen, verlautet aus Aufsichtskreisen. Es habe sich bei einem ansonsten gesunden Institut um klar begrenzte Volumina gehandelt. Es sei klug gewesen, diese geräuschlos abzustoßen, um die Verluste zu begrenzen. Aktienkurse fielen zudem nicht in die Zuständigkeit der Bankenaufsicht.

Wohl auch nicht die Zinspolitik in den USA, die ebenfalls ein G7-Mitglied sind. Notenbankchef Ben Bernanke wurde über die Société-Générale-Verkäufe erst informiert, als sie abgewickelt waren. Da hatte er den Leitzins schon um drei Viertelprozentpunkte gesenkt – in Panik, wie Insider berichten. Bleibt nur, für besseres Wetter an den Finanzmärkten zu beten.

Marietta Kurm-Engels
Marietta Kurm-Engels
Handelsblatt / Redakteurin

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