Finanzmärkte
Zinswende beschlossen

Diese Woche dürfte ganz im Zeichen der geldpolitischen Sitzung des Rates der Europäischen Zentralbank (EZB) stehen. Zwar glaubt niemand, dass die Währungshüter bereits am Donnerstag an der Zinsschraube drehen. Aber die Märkte sind extrem nervös.

mak/HB. Anleihen mussten bereits vorige Woche ungewöhnlich hohe Verluste hinnehmen. Auf dem Geldmarkt zog am Freitag die Erwartung höherer Zinsen deutlich an: Die jüngsten Daten für das Geldmengenwachstum und für die Inflation im Euro-Raum waren beunruhigender als angenommen.

Für die Märkte ist die Zinswende damit beschlossene Sache. Sie sehen den Leitzins bis Ende 2006 von derzeit zwei auf 2,75 Prozent anziehen. Der erste Zinsschritt um einen viertel Prozentpunkt ist Anfang Dezember eingepreist.

Die Frage ist, ob der EZB-Rat diese Meinung teilt. Seit seiner Sitzung Anfang Oktober haben sich Ratsmitglieder mit Warnungen vor Inflationsgefahren übertroffen. Bis heute haben sie sich in der Schärfe ihrer Äußerungen allerdings unterschieden, was auf unterschiedliche Auffassungen im Rat hindeutet. So klang auch zum Wochenende der portugiesische Notenbankgouverneur weniger alarmiert als seine Kollegen aus Luxemburg und den Niederlanden. Eine Schlüsselrolle dürfte EZB-Chef Jean-Claude Trichet zukommen. Er hatte das Zinsniveau noch vor wenigen Tagen als „angemessen“ bezeichnet.

Vor diesem Hintergrund hat sich erneut die Politik zu Wort gemeldet. Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi fordert die EZB zur Förderung des Wirtschaftswachstums auf. Inflation sei kein Problem mehr. Gleichzeitig mahnt EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing, die Inflation nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Die Gräben in der Geldpolitik drohen tiefer zu werden.

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