Firmengewinne
Der Schein trügt

Für die Gewerkschaft IG Metall ist der Fall ganz klar: Deutschlands Industriekonzerne schwimmen in Geld. Ergo gebührt den Arbeitern und Angestellten in der anstehenden Tarifrunde ein angemessener Aufschlag auf Lohn und Gehalt. Wenn schon so klotzig verdient wird, dann sollen nicht nur die Aktionäre profitieren. Recht hat die Gewerkschaft. 38 Milliarden Euro Gewinn bei nur 23 Firmen. Das weckt Begehrlichkeiten.Die führenden Industrie- und Dienstleistungskonzerne haben eine Milliarde mehr als im Jahr zuvor verdient. Netto sogar, das heißt nach Abzug aller Sonderlasten und Steuern. Und neuerdings dank der internationalen Rechnungslegung IFRS sogar ohne Sondererträge, etwa aus verkauften Tochtergesellschaften.

Doch der einfache Blick auf die absolute Zahl verdeckt das Problem. Trotz des Konjunkturbooms im Inland und des starken Exportgeschäfts gibt es Anlass zu Sorgen. Denn die Rendite der Konzerne sinkt. Und zwar deutlich. Was nichts anderes bedeutet, als dass von jedem eingenommenen Euro weniger als Gewinn verbleibt. Das hat Folgen für Investitionen, Wachstum und langfristig auch für die Arbeitsplätze.Natürlich gibt es Ausreißer, positive wie negative. Doch die Freude über den Rendite-Rekordhalter SAP darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Softwarekonzern inzwischen die einzige deutsche Dax-Firma mit einer zweistelligen Umsatzrendite ist. Die Hoffnungsträger von einst, Telekom oder Infineon, sind abgestürzt.

Das alles ist kein Grund zum Schwarzmalen. Doch es ist ein klares Signal, dass es keine Einheitskonjunktur gibt, dass selbst die zweifellos hohen Gewinne einiger Konzerne relativ sind. Vor allem zeigt es, dass es selbst innerhalb einer Branche keinen Trend gibt. Das weiß auch die IG Metall.

Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent
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