FLEISCHSKANDAL
Betrug lohnt sich

Man kann die routinierte Empörung über den neuesten Skandal um Gammelfleisch kaum noch besser ertragen als den Betrugsfall selbst: Rufe nach mehr Kontrollen, Selbstrechtfertigung der Industrie, Pingpong-Spiel zwischen Bund und Ländern um die politische Zuständigkeit.

Durchhalten und von eigener Verantwortung ablenken lautet die heimliche Parole, dann wird auch dieser Skandal folgenlos überstanden, und wir ernähren uns weiter nach dem Motto: Unser tägliches Aas gib uns heute!

Haben wir keinerlei Hebel und Ansatzpunkte, um aus der Misere herauszukommen? War da nicht eine Bundesregierung, die nach dem BSE-Skandal eine gläserne Lieferkette vom Stall bis zur Theke versprach? Hat nicht Verbraucherminister Horst Seehofer vor einem Jahr die Sicherheit versprochen, die es noch heute nicht gibt?

Sicher ist nur, dass der naive Ruf nach mehr Kontrollen in die Irre führt, weil Kontrollen ohne Sanktionen wirkungslos bleiben. Sinnvoll wäre es, viel stärker auf den Marktmechanismus zu setzen. Bei den gerne kritisierten Burger-Ketten sorgen nicht staatliche Aufsicht, sondern sorgt gesundes Eigeninteresse für Respekt vor dem Kunden: Eine faule Boulette würde McDonald’s und Co. Millionen Euro an Umsatzrückgang kosten. Kleine Krauter aber werden nicht einmal an den Pranger gestellt. Dabei würde nur die Angst davor, öffentlich gebrandmarkt zu werden und nie wieder ein Kilo Fleisch verkaufen zu können, ihre kriminelle Energie bremsen.

Schließlich ist der Verbraucher auch selbst verantwortlich: Jeder Supermarkt bietet heute billige Produkte aus kontrolliertem Anbau. Wer aber partout nicht mehr als einen Euro für einen Döner bezahlen will, geht ebenso leichtfertig mit seiner Gesundheit um wie ein Kettenraucher.

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris
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