Flughafen Kassel-Calden heißt jetzt Kassel: Der neue Name bringt keinen Passagier mehr

Flughafen Kassel-Calden heißt jetzt Kassel
Der neue Name bringt keinen Passagier mehr

Deutschlands umstrittenster Regionalflughafen hat einen neuen Namen: Kassel-Calden heißt jetzt nur noch Kassel. Der Airport will sich ein neues Image aufbauen – und wird scheitern. Ein Kommentar.
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Drei Wörter braucht es, um das Image des Flughafens Kassel-Calden treffend zu beschreiben: Fehlentscheidung, Millionengrab, Pleitekandidat. Den Regional-Airport in Nordhessen hatten schon bei der Eröffnung vor knapp zwei Jahren alle abgeschrieben. Sie sollten Recht behalten. Doch das soll sich jetzt ändern.

Der Flughafen Kassel-Calden heißt ab sofort Kassel Airport. Die Namensänderung sei Kern eines geänderten Markenauftritts, teilte die Betreibergesellschaft mit. Eine Analyse habe gezeigt, dass die Konzentration auf einen solchen Namen unverzichtbar sei, um den Flughafen im internationalen Geschäft zu positionieren, hieß es.

Wie jetzt? Der Namenzusatz der beteiligten Gemeinde Calden wird gestrichen, aus dem „Flughafen“ wird der „Airport“ und schon ist „Kassel Airport“ international vermarktbar? Dass das zu kurz gedacht ist, braucht man an dieser Stelle eigentlich gar nicht erst zu erwähnen. Das weiß sicher auch die Flughafen-Geschäftsführung um den ehemaligen Fraport-Manager Ralf Schustereder.

Die Umbenennung kann nur ein erster Schritt eines neuen Marketings sein. Denn ein neuer Name macht noch längst kein neues Image. Und selbst wenn: Ein neues Image würde dem Flughafen keinen Passagier mehr bringen. Denn der Airport hat einfach nicht genug Potenzial. Das zeigt allein der Blick auf die bisherigen Zahlen. Bis Ende November brachte es der Flugplatz im vergangenen Jahr auf gerade einmal 46.000 Fluggäste. Im Eröffnungsjahr 2013 waren es in etwa genauso wenige.

Dazu kommt: Bis zum deutschen Drehkreuz Frankfurt ist es nicht weit und kurz hinter der Grenze zu Nordrhein-Westfalen buhlt auch noch Paderborn/Lippstadt um Kunden. Der Flughafen heißt übrigens auch „Airport“ – und steckt selbst mit zuletzt 764.000 Passagieren im Jahr tief in der Krise.

Neuer Name hin oder her: Kassel Airport wird scheitern. Denn um den Flughafen zu einem Erfolgsprodukt zu machen, müsste man ihn schon verlegen. Dahin, wo die Kapazitäten wirklich gebraucht werden. Nach Berlin zum Beispiel, wo Tegel und Schönefeld aus allen Nähten platzen. Und so steckt in der Satire des „Welt“-Kolumnisten Hans Zippert viel Wahrheit. Dieser wies in der Montagsausgabe dem hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) die Aussage zu, der Flughafen solle in BERK, Flughafen Berlin-Brandenburg-Kassel, umbenannt werden. Der Flughafen habe immerhin eine Betriebsgenehmigung und funktionierende Gepäckbänder.

Genauso ist es: Die Gepäckbänder funktionieren. Der Flughafen wird jedoch niemals „funktionieren“. Ob als Kassel-Calden oder als Kassel Airport.

Tobias Döring, Redakteur Unternehmen, Handelsblatt Online
Tobias Döring
Handelsblatt / Chef vom Dienst

Kommentare zu " Flughafen Kassel-Calden heißt jetzt Kassel: Der neue Name bringt keinen Passagier mehr"

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  • ..das wäre auch mein Text gewesen.

  • Die Verantwortlichen für diesen Flughafen gehören in Haft genommen! Veruntreuung von Steuergeldern.

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