Flugzeugbau
Kommentar: Hase und Igel

Der Zweikampf zwischen den großen Flugzeugbauern Airbus und Boeing geht in die nächste Runde: Kaum haben sich erste technische Details des neuen Boeing-Flugzeugtyps 7E7 herumgesprochen, schon kontert der Erzrivale Airbus mit einem neuen Programm namens A350. Dahinter steckt die Strategie der Europäer, Boeing nach einer Serie von Tiefschlägen erst gar nicht in Tritt kommen zu lassen.

Der 7E7-„Dreamliner“, die erste Neuentwicklung bei Boeing seit 15 Jahren, muss ein kommerzieller Erfolg werden. Ansonsten, so spekuliert die Branche, könnte sich der einst so stolze Weltmarktführer bald komplett aus dem zivilen Flugzeugbau verabschieden. Dass der US-Konzern weit hinter Airbus zurückgefallen ist, zeigt der Markt nur allzu deutlich. Boeing hat die Baureihe 757 in diesem Jahr einstellen müssen, auch die Zukunft der veralteten 767 hängt am seidenen Faden. Selbst dem einstigen Bestseller 747-Jumbo droht die Rente, sollte Airbus seinen doppelstöckigen Riesenvogel A380 mit der versprochenen Performance in die Luft bringen.

Viele Airlines drücken jetzt Boeing die Daumen, weil sie an zwei gleich starken Flugzeugbauern interessiert sind, die man gegeneinander ausspielen kann. Doch der US-Konzern muss künftig auch liefern, wenn der Markt ruft. Schafft Boeing die Langstreckenversion seiner 7E7 tatsächlich erst in 2012, dürfte Airbus mal wieder flinker sein. Es sieht ein bisschen nach Hase und Igel aus: Boeing strengt sich an nach Kräften, doch Airbus erreicht das Ziel schneller. Finanzkräftige Kunden wie Lufthansa, Singapore oder Emirates Airlines haben noch nicht entschieden, ob sie die 7E7 fliegen wollen. Bisher schien das nur eine Frage der Zeit. Bald dürfte die Frage wieder lauten: Airbus oder Boeing?

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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