Flugzeuge
Stille Revolution

  • 0

Wenn am Montag der Luftfahrtsalon auf dem Flughafen Le Bourget vor den Toren von Paris seine Pforten öffnet, wird sich das Augenmerk erneut auf den Wettlauf der Rivalen Boeing und Airbus bei der Zahl der Neubestellungen richten. Das verstellt den Blick auf die industrielle Revolution, die beide Konzerne gerade in Angriff nehmen. Bei der hat Deutschland keine guten Karten. Denn beide Konzerne wollen massiv ihre Fertigungstiefe senken, um Entwicklungskosten zu sparen.

Aus Sicht des Controllers mag das Sinn machen, auch Unternehmen aus Russland und China mit Entwicklungsarbeiten zu betrauen. Langfristig darf die Frage gestellt werden, ob damit nicht die Konkurrenz von morgen groß gezüchtet wird. Nicht umsonst verbleibt bei Militärflugzeugen die Entwicklung zu 100 Prozent in der eigenen Hand, wie etwa bei Frankreichs Rafale. Der Markt für Zivilflugzeuge ist indes um ein Vielfaches größer. Aus diesem Grund stellt sich die Frage, warum eigentlich hier ein Know-how-Transfer wirtschaftlich weniger gefährlich sein soll.

Hinzu kommt, dass bei der Verschlankung der Zuliefererkette die deutsche Industrie auf der Verliererseite zu stehen droht. Für den Bau seines neuen „Dreamliners“, der 787, greift Boeing auf französische Unternehmen wie Thales als Systemlieferanten zurück. Deutsche Unternehmen sind nicht mit von der Partie. Der Grund: Es gibt in Deutschland bislang keine großen Systemlieferanten.

Genau diese werden jedoch die großen Gewinner der industriellen Revolution sein, die nun auch Airbus beim Bau der neuen A350 XWB angehen will. Die Konsequenzen dieser industriellen Neuordnung sind bislang nur in Ansätzen sichtbar. Sicher ist, dass dieser Prozess noch viel Aufmerksamkeit erregen wird. Mehr Aufmerksamkeit als die Zahl der Bestellungen auf dem Pariser Luftfahrtsalon.

Kommentare zu " Flugzeuge: Stille Revolution"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%