Flugzeugindustrie: Kommentar: Der Kampf um die letzte Niete

Flugzeugindustrie
Kommentar: Der Kampf um die letzte Niete

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Die Schocknachrichten aus der Luftfahrtindustrie reißen nicht ab. Innerhalb weniger Monate muss Boeing den Erstflug seines Hoffungsträgers „Dreamliner“ zum zweiten Mal verschieben. Kunden und Aktionäre reagieren verschnupft, die Boeing-Aktie geht auf Talfahrt. Immerhin sind 700 Exemplare der Maschine schon fest verkauft.

Verschobene Jungfernflüge, Produktionspannen und Lieferschwierigkeiten sind in der Luftfahrtbranche mittlerweile an der Tagesordnung. Nach dem Kabelsalat bei dem Riesenairbus A380 zerstört auch der Airbus-Militärtransporter A400M sämtliche Zeitpläne. Nun wird immer deutlicher, dass sich nach Airbus auch der Konkurrent Boeing total übernommen hat.

Das war abzusehen. Denn seit Jahren wachsen die Aufträge schneller als die Kapazitäten. In dem Wahn, jeden Auftrag annehmen zu müssen, um den Rivalen auszustechen, haben sich Airbus und Boeing von ihren Verkaufsabteilungen treiben lassen. So hat das Duopol im vergangenen Jahr Aufträge für 2 700 neue Passagierjets eingesammelt, aber nur knapp 900 ausgeliefert. Der Wert des gemeinsamen Auftragsbestands beläuft sich mittlerweile auf 500 Milliarden Euro. Und dennoch wird Airbus 2007 mit hohen Verlusten abschließen – Lieferausfälle und Strafzahlungen reißen die EADS-Tochter ins Minus.

Die Situation wird sich kurzfristig nicht entspannen, denn die Ressourcen der Industrie sind erschöpft. Boeing und Airbus wollen die Produktion erhöhen, doch die Zulieferer kommen nicht mit. Der Boom hat den Markt für Fachkräfte leer gefegt, Aluminiumnieten, Karbonwerkstoffe und Titan erzielen Rekordpreise. 2008 wird für Kunden und Aktionäre der Luftfahrtindustrie noch manche Überraschung bereithalten.

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