Forsa sieht SPD als stärkste Fraktion
Rennen um stärkste Fraktion wieder offen

Dramatisches Ringen ums Kanzleramt: Der jüngsten ZDF-Hochrechnung zufolge liegt die Union mit 224 Mandaten drei vor der SPD. Laut ARD und Forsa besteht nach wie vor ein Patt.

HB BERLIN. Mehrere Stunden nach Schließung der Wahllokale war am Sonntagabend wegen der Überhangmandate ein Patt von SPD und CDU/CSU bei den Bundestagssitzen möglich, aber auch ein knapper Unionsvorsprung. Damit könnte am 2. Oktober die Nachwahl im vor drei Jahren hart umkämpften Wahlkreis Dresden I endgültig über die Kräfteverhältnisse entscheiden.

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel (CDU) beanspruchen das Kanzleramt für sich. Beide wollen nun mit allen anderen Parteien außer der Linkspartei (Ex-PDS) über ein Bündnis sprechen.

CDU/CSU erhielten nach Hochrechnungen von ARD und ZDF (22.30 Uhr) 35,2 oder 35,0 Prozent (2002: 38,5 Prozent). Für die SPD stimmten 34,2 oder 34,1 Prozent (38,5). Ihr bisheriger Regierungspartner, die Grünen, kam auf 8,1 oder 8,2 Prozent (8,6). Die FDP verbesserte sich stark auf 10,0 Prozent (7,4). Die Linkspartei mit Ex-SPD-Chef Oskar Lafontaine und Gregor Gysi erzielte 8,5 oder 8,6 Prozent (PDS 2002: 4,0). Die Wahlbeteiligung lag bei 78 Prozent, unter dem Wert von vor drei Jahren (79,1).

Die Union kommt demnach laut ARD zusammen mit Überhangmandaten auf 222 Sitze (zuletzt 247) im neuen Bundestag, die SPD ebenfalls. Im ZDF erreichte die Union 224 Sitze unter Berücksichtigung von 6 Überhangmandaten, die SPD kam auf 221 Sitze, davon 8 Überhangmandate. Laut Forsa (21.45 Uhr) kommen SPD und Union auf je 222 Mandate. Die FDP erreicht laut ARD und ZDF 62 Mandate (47), die Grünen 51 (55). Die Linkspartei zieht mit 53 oder 54 Parlamentariern in den Bundestag ein (bisher 2 direkt gewählte PDS-Abgeordnete).

Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel will trotz des unerwartet schwachen Abschneidens von CDU und CSU bei der Bundestagswahl in Kürze Gespräche zur Regierungsbildung aufnehmen. Entgegen ihren bisherigen strikten Absagen an eine große Koalition mit der SPD signalisierte sie nun Bereitschaft für ein solches Bündnis.

"Wähler wollen Frau Merkel nicht als Kanzlerin"

"Ich werde schon Wege finden, mit den Sozialdemokraten zu sprechen", sagte Merkel am Sonntagabend in einer Fernsehdebatte von ARD und ZDF mit den Spitzenkandidaten der Parteien. Die CDU-Chefin zeigte sich irritiert über Äußerungen von Kanzler Gerhard Schröder, der Gespräche mit der Union nur unter der Bedingung führen will, dass er erneut Regierungschef wird.

Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) sieht sich durch das Wahlergebnis in seiner Haltung gegen eine Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bestätigt. "Die deutschen Wählerinnen und Wähler wollen Frau Merkel nicht als Kanzlerin", sagte Struck am Sonntag im ZDF. Eine Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP halte er für denkbar.

Kanzler Schröder hat indes den Anspruch erhoben, in einer großen Koalition als Bundeskanzler die Führung zu übernehmen. "Das war neben dem inhaltlichen Vergleich auch ein Vergleich der handelnden Personen", sagte er mit Blick auf das unerwartet schlechte Ergebnis für die Union und ihre Kandidatin Merkel. "Deshalb kann es doch überhaupt nicht darum gehen, irgendwelche Machtansprüche aus irgendwelchen Gründen zu erheben."

Schröder sagte, ab morgen werde er zusammen mit Parteichef Franz Müntefering Gespräche mit allen Parteien über eine Regierungsbildung führen, mit Ausnahme der Linkspartei. Aus einer angeblich heillosen defensiven Situation habe die SPD "mit Hilfe wacher Bürger das Ergebnis gewendet". Er sei stolz auf die Menschen in Deutschland. Schröder sagte weiter: "Ich bin stolz auf eine demokratische Kultur, die bewiesen hat, dass Medienmacht und Medienmanipulation das demokratische Bewusstsein nicht erschüttern." In einer Elefantenrunde in ARD und ZDF sagte er wenig später, es gebe ein eindeutiges Ergebnis, "dass niemand außer mir in der Lage ist, eine stabile Regierung zu stellen".

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