Fragile Konjunktur
Ein höchst zerbrechlicher Aufschwung

Wenn man die Vergangenheit vergäße, könnte man das, was die deutsche Wirtschaft im nächsten Jahr vorlegen wird, fast einen kleinen Boom nennen. Die Chancen stehen gut, dass sie um über zwei Prozent wachsen wird. Aber man kann die Vergangenheit eben nicht einfach aus dem Blick nehmen.

Wenn man die Vergangenheit vergäße, könnte man das, was die deutsche Wirtschaft im nächsten Jahr vorlegen wird, fast einen kleinen Boom nennen. Die Chancen stehen gut, dass sie um über zwei Prozent wachsen wird. Aber man kann die Vergangenheit eben nicht einfach aus dem Blick nehmen.

Was wir hinter uns haben, war keine normale Rezession, sondern ein Absturz, ausgelöst von einer tiefen Banken- und Finanzkrise. Selbst wenn die Wirtschaft 2010 und 2011 passabel wächst, wird das noch nicht reichen, um wieder auf das Produktionsniveau von 2008 zu kommen. Den Banken in Deutschland und der Welt geht es immer noch schlecht. Einige große sind verstaatlicht, die meisten anderen hängen direkt oder indirekt von Staatshilfen ab. Was für Zeitbomben in ihren undurchsichtigen Bilanzen noch schlummern, kann keiner wirklich abschätzen. Sie werden daher auf längere Zeit mit Krediten und sonstigen Finanzierungen eher knausrig sein. Und die Regierungen werden mittelfristig kräftig sparen müssen und daher die Nachfrage dämpfen, die sie bisher mit ihren Konjunkturprogrammen kräftig angeheizt haben.

Das soll nicht heißen, dass man sich nicht über die unerwartet günstige Konjunkturentwicklung freuen dürfte. Es ist schon ein großer Erfolg, dass es gelungen ist, den Absturz ins Bodenlose schnell aufzuhalten. Das gibt im Nachhinein den Politikern und Unternehmen recht, die darauf gesetzt haben, mit einer massiven Ausweitung der Kurzarbeit Arbeitsplätze zu erhalten. Aber bei aller Freude besteht zur Euphorie wenig Anlass. Dass die Konjunkturerholung sich zu einem kräftigen Aufschwung verstärkt, ist nicht zu erwarten – sie bleibt fragil.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent
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