Frankreich
Blaues Auge

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Am Tag nach der französischen Parlamentswahl wurde richtig deutlich, wie heikel das Ergebnis für Frankreichs Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy ist. Seine Partei UMP hat die Wahl gewonnen, aber nicht auf einer „blauen Welle“ reitend, sondern mit einem blauen Auge. Dieser Wahlsieg schwächt Sarkozy, noch ehe er die Regierungsgeschäfte richtig aufgenommen hat.

Dabei geht es nicht allein um die Tatsache, dass die UMP Sitze verloren hat. Gravierender ist, dass Sarkozys Regierungsmannschaft zerschossen wurde. Alain Juppé, der eine herausgehobene Rolle spielen sollte, muss ausscheiden – er wird Opfer der im Vollgefühl des vermeintlich sicheren Triumphes beschlossenen Vorgabe, nur der dürfe Minister werden, der ein Parlamentsmandat erringt. Juppé fiel in Bordeaux durch. Schon werden Fragen laut, warum Sarkozy ausgerechnet auf ihn setzte, der doch ein Mann der Vergangenheit sei. Ebenso schwer wiegt, dass der Rückschlag der UMP bei der Wahl untrennbar mit dem Namen des Wirtschafts- und Finanzministers Jean-Louis Borloo verbunden ist. Sein munteres Schwadronieren über eine „soziale Mehrwertsteuer“, worunter sich eine Anhebung um fünf Punkte verbarg, hat viele Wähler abgeschreckt. Dabei müsste gerade Borloo als begnadeter Kommunikator wirken, um die in Sarkozys Programm bevorstehenden unpopulären Sozialreformen den rebellischen Franzosen schmackhaft zu machen.

Zum Glück für Sarkozy tobt ein Rosenkrieg bei den Sozialisten. Die Trennung des Paares Royal-Hollande, die möglicherweise in einen politischen Machtkampf mündet, beschäftigt die Medien. In Zukunft kann der Staatschef sich allerdings nicht darauf verlassen, dass der politische Gegner ihm Schützenhilfe leistet.

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris

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