Frankreichs Vorstädte
Kommentar: Spiel mit dem Feuer

Frankreichs Vorstädte sind wieder in Aufruhr. Dabei ist die wochenlange Krise in den so genannten Banlieues nicht einmal ein Jahr her. Damals hinterließen die Krawalle Schäden von über 150 Millionen Euro und eine ratlose Nation mit einer gescheiterten Integration.

FRANKREICH. Die Anlässe für die Ausschreitungen vom Herbst 2005 und heute sind ähnlich: eine von der Bevölkerung als überaus hart empfundene Polizeiaktion. Nun löste eine Hausdurchsuchung mit Verhaftung von verdächtigen Personen neue Gewalt aus.

Es ist noch zu früh zu sagen, ob die jüngsten Ereignisse wieder einen Flächenbrand auslösen werden. Sicher ist dagegen, dass der Nährboden für die Gewalt noch da ist. Die Regierung konnte im November 2005 nur durch die Verhängung des Ausnahmezustands die Gewalt wieder eindämmen. Schon damals warnte der Inlandsgeheimdienst, die wieder eingekehrte Ruhe dürfe „nicht den Eindruck erwecken, dass die Ursachen bereits beseitigt sind“.

Die Probleme in den Banlieues lassen sich nicht in wenigen Monaten beseitigen. Die Vorstellung, dank des französischen Passes und der Schule würde sich die Integration der Einwandererkinder quasi von selbst erledigen, hat sich als gefährlicher Trugschluss erwiesen. Die Kinder der Migranten sind heute oft schlechter integriert als ihre Eltern und Großeltern, die in der goldenen Nachkriegszeit noch gesuchte Arbeitskräfte in der Industrie waren.

Auf die Krise vom Herbst antwortete die Regierung mit dem Gesetz für mehr Chancengleichheit. Es soll-te der Jugend, die in den Banlieues unter einer Arbeitslosenquote von teilweise 50 Prozent leidet, eine Perspektive geben: Lehre schon ab 14 Jahren, Einführung von anonymisierten Bewerbungen, mehr Kompetenzen für die Antidiskriminierungsbehörde, freiwilliger Zivildienst. Das Kernstück des Gesetzes, den Erstanstellungsvertrag, musste die Regierung allerdings unter dem Druck der Straße wieder zurücknehmen.

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