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Frankreichs Wahlkampf: Sarkozy überholt sich selbst

Kein Wohlfühl-Wahlkampf, sondern ungeschminkte Wahrheiten: Der um seine Widerwahl bangende französische Präsident hat den mit Spannung erwarteten Gipfel mit den Sozialpartnern im Streit auseinander laufen lassen.

Thomas Hanke Quelle: Pablo Castagnola
Thomas Hanke Quelle: Pablo Castagnola

Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy fährt eine riskante Strategie, um aus seiner schwachen Position im Wahlkampf herauszukommen. Er versucht gar nicht erst, die Ergebnisse seiner fünfjährigen Präsidentschaft schönzureden.

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Stattdessen schleudert er den Wählern unangenehme Wahrheiten über Frankreichs verlorene internationale Wettbewerbsfähigkeit, die zunehmende Arbeitslosigkeit und die hoffnungslose Lage der Jugendlichen entgegen. Seine Botschaft: „Wir müssen schneller und weiter vorankommen“ – Sarkozy neu versucht, Sarkozy alt zu überholen.

Dieses Herangehen ist möglicherweise weniger selbstzerstörerisch, als es den Anschein hat. Denn spätestens seit der Herabstufung des Landes durch die Ratingagentur S & P ist den Franzosen klar, dass ihr Land im Vergleich zu Deutschland weitaus schlechter dasteht.

Dem passt Sarkozy seine Rhetorik an. Versuchte er bisher stets, als gleichstarker Partner der Bundesrepublik aufzutreten, stellt er Deutschland nun als Hauptkonkurrenten hin, der an Frankreich vorbeigezogen sei – und deshalb müssten die Franzosen sich nun doppelt anstrengen.

Frankreich

Alles, was im Argen liegt, vom Außenhandelsdefizit bis zur Arbeitslosigkeit, führt der Präsident natürlich nicht auf eigene Versäumnisse, sondern auf die internationale Krise und auf Jahrzehnte währende Fehlentwicklungen zurück – die er schon im Trend verändert, aber noch nicht ausreichend korrigiert habe. Die demnächst anstehende offizielle Wiederbewerbungsrede kann dann logisch anknüpfen: Gebt mir fünf Jahre mehr, und ich führe Euch aus dem Tal des Elends heraus!

Unter normalen Umständen würden die Wähler dennoch sagen: Du hattest Deine Chance, danke. Doch fehlt der wirklich überzeugende Gegenkandidat: Vom Sozialisten Francois Hollande weiß man noch nicht, was er eigentlich anders machen will. In seinem engsten Umfeld tobt bereits der Richtungskampf über die Frage, ob die von Hollande versprochenen 60.000 neuen Lehrer zusätzliche Staatsbedienstete sein sollen oder ob die Stellen umgewidmet werden können.

Unfassbar, aber wahr: Mitten im Wahlkampf bekämpfen sich die Flügel mit öffentlichen Stellungnahmen. Das (geschrumpfte) Sarkozy-Lager tritt dagegen diszipliniert auf. Vor den versammelten Abgeordneten gab Premier Fillon die Losung aus: Ich kann verstehen, wenn Ihr Kritik anzubringen habt, aber haltet bitte trotzdem die Klappe.

  • 18.01.2012, 21:39 UhrAnonymer Benutzer: Klaus

    Wenn mal nicht alles ganz anders kommt. Madame Le Pen liegt klar vor Hollande, und gerade mal 1,5 % Punkte hinter Sarko. Das wird dann richtig, richtig spannend auf dem alten Kontinent.

  • 18.01.2012, 21:05 UhrAnonymer Benutzer: Profit

    Eine wichtige Person der französischen Politik kommt in dem Artikel überhaupt nicht vor, obwohl sie bei Umfragen gleichauf mit Sarkozy ist. Es kann durchaus zu einem Stechen Madame Le Pen vs. Hollande kommen! Sarkozy ist absolut nicht für das Stechen gesetzt.

  • 18.01.2012, 20:05 Uhrhardy

    Ich kann da jedem nur diese wunderbare Doku über Sarko auf arte ans Herz legen: 16 ausländische Journalisten erzählen die Regentschaft Sarkozys nach.

    Worüber alle am nach der Schilderung der vor allem Tiefen dieser Zeit aber dann doch staunen: Irgendwie bekommt er am Ende doch noch so etwas wie Statur.

    Die Frage ist doch letztlich: Finden wir es besser, ein Politiker sagt die unangenehmen Dinge oder knutscht er sich ans Volk heran, indem er sie verschweigt?

    Mich jedenfalls überrascht seine Volte. Und ich bin mittlerweile sogar bereit, diesem Kommentar über Angela Merkel ein gerüttelt Maß an Substanz zuzugestehen.

    http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2012/01/16/drk_20120116_0722_c39f102a.mp3

    Wahrlich, finstere Zeiten, in denen ein Mann sich gezwungen sieht, sich einander widersprechende Dinge zu denken, um mal einen klugen Mann zu zitieren.

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