Freenet übernimmt Debitel
Ein fragwürdiger Erfolg

Eckhardt Spoerr scheint am Ziel. Der Freenet-Chef hat sich den Rivalen Debitel geangelt, formt damit den drittgrößten Anbieter im deutschen Mobilfunkmarkt und hat zugleich Widersacher und Großaktionär United Internet zunächst auf Abstand gehalten. Aus strategischer Sicht muss man Spoerr Beifall spenden. Doch jenseits dessen steht der Kauf von Debitel unter keinem guten Stern. Ein Kommentar.
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Eckhardt Spoerr scheint am Ziel. Der Chef des Internet- und Mobilfunkunternehmens Freenet hat sich den Rivalen Debitel geangelt. Damit formt er nicht nur den drittgrößten Anbieter im hart umkämpften Mobilfunkmarkt Deutschland. Zugleich hat er seinen Widersacher und Großaktionär United Internet zunächst einmal auf Abstand gehalten.

Aus strategischer Sicht muss man Spoerr durchaus Beifall spenden. Die Fusion der beiden Mobilfunk-Unternehmen Freenet und Debitel ist angesichts des Drucks im Markt ein richtiger Schritt. Das neue Unternehmen wird die Nummer drei im deutschen Markt sein, unmittelbar hinter den Platzhirschen T-Mobile und Vodafone. Ein Vergleich mit diesen Unternehmen ist zwar schief, schließlich haben sie ein eigenes Netz, die neue Freenet/Debitel hat dieses weiterhin nicht. Doch gerade aus Sicht eines Wiederverkäufers von Mobilfunk-Kapazitäten ist eine größere Marktmacht äußerst sinnvoll.

Doch jenseits dessen steht der groß angekündigte Kauf von Debitel unter keinem guten Stern. Mit brachialer Gewalt hat Spoerr den Deal durchgedrückt. Und das, obwohl zuletzt fast 60 Prozent seiner Anteilseigner dagegen waren. Dies ist wahrlich kein gutes Beispiel für Corporate Germany.

Spoerr sollte sich deshalb keineswegs sicher fühlen. Das Instrumentarium, mit denen die vor den Kopf gestoßenen Anteilseigner die Fusion torpedieren können, ist mannigfaltig. Da ist etwa die Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung, auf der versucht werden könnte, den Aufsichtsrat und auch der Vorstand zu kippen. Auch gegen die Eintragung der neuen Aktien könnte eine Einstweiliger Verfügung beantragt werden, nicht zu vergessen die üblichen Spielchen mit der Wahl eines „Besonderen Vertreters“, der dem Kontrollgremium und dem Vorstand beigestellt wird.

Aber auch UI-Chef Ralph Dommermuth hat sich nicht mit Ruhm bekleckert. Statt immer nur über ein mögliches Angebot zu sprechen, hätte er Nägel mit Köpfen machen müssen. Sicher, er wäre dann an den etwas höheren Preis gebunden gewesen, den er bei seinem Einstieg bei Freenet bezahlt hatte. Und richtig ist auch, dass Spoerr es geschickt verstanden hat, die notwendigen Daten für eine Bewertung nur sehr langsam zur Verfügung zu stellen. Doch jetzt ist das Kind in den Brunnen gefallen.

Jetzt droht eine monatelange heftig geführte Auseinandersetzung. Sie wird das gesamte Unternehmen beschädigen. Für die durch die Übernahme sowieso schon an den Rand der finanziellen Leistungsfähigkeit geführten Freenet ist das alles andere als eine rosige Zukunft.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt

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