Frieden in Nordirland
Blairs letzte Tat

Man merkte Tony Blair nichts an, als er gestern beim Fototermin in Belfast Höflichkeiten mit seinen Partnern nach zehn Jahren erbitterten Verhandlungen über Nordirland austauschte. Aber dies war die Stunde seines Triumphs. Kurz vor Blairs Abgang zeigte sich im Friedensschluss von Belfast noch einmal, was für ein politisches Talent er war.

Blair konnte das Wesentliche erfassen und daraus klare Prinzipien des Handelns ableiten. Und er besaß die Hartnäckigkeit, den Charme, die Geduld und vor allem den Glauben an sich selbst, seine Erkenntnisse politisch und diplomatisch umzusetzen. So brachte er Gegner, die sich auf Jahrhunderte von Misstrauen berufen, dazu, über ihren Schatten zu springen. Irgendwann werden Gewalt und Hass irrational.

Blair erkannte, dass dieser Zeitpunkt in Nordirland gekommen war. Er formulierte zwei einfache, aber unwiderlegbare Prinzipien: Nordirlands protestantische Unionisten mussten bereit sein, die Macht mit den katholischen Republikanern zu teilen. Diese wiederum mussten versprechen, ihre Ziele mit friedlichen und demokratischen Mitteln zu verfolgen.

Man kann ruhig hoch greifen, um sich das Ausmaß des Erreichten vorzustellen. Was in Belfast geschah, ist etwa so, als würden Israels Ministerpräsident Olmert und Palästinenserpräsident Abbas eine gemeinsame Regierung bilden. Blair jedenfalls wird gestern im Innersten seiner Seele an die Palästinenser gedacht haben, als er sagte, überall in der Welt könnten Menschen aus diesem Friedensschluss Hoffnung schöpfen.

Was nicht heißen soll, dass ausgerechnet der Irak-Krieger Blair der geeignete Nahostvermittler ist, der er gerne wäre. Aber wer immer diese Aufgabe anpacken wird, er kann aus dem Fall Nordirland eine Lehre ziehen.

Matthias Thibaut ist Korrespondent in London.
Matthias Thibaut
Handelsblatt / Korrespondent
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