Frischer Wind für CDU/CSU
25.August 2005: Merkels Kompetenzteam

Mitte August sieht es nicht gut aus für Angela Merkel. Drei bis vier Punkte ist die Union nach unten gerutscht - einige Umfragen verheißen Schwarz-Gelb keine Mehrheit mehr. Jetzt richten alle ihre Augen auf das Kompetenzteam, Merkels Wahlkampfmannschaft und mögliches Schattenkabinett.

Da lässt sich trefflich spekulieren. Und wer wissen will, wer alles dabei sein wird, kann CSU-Chef Edmund Stoiber fragen: Der gibt bereitwillig Auskunft und benennt zu einem Zeitpunkt, als Merkel noch eisern schweigt, flugs den Merkel-Widersacher Wolfgang Schäuble als Teammitglied für Äußeres und Verteidigung.

Als schwierig erweist sich vor allem die Suche nach einer überzeugenden Figur für die Themen Wirtschaft, Arbeit und Finanzen: Siemens-Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer, den die CSU auch schon als Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten ins Spiel gebracht hat, winkt ab. Generalsekretär Volker Kauder sorgt für Spott und Verwirrung, als er mit einer Interviewäußerung kurzzeitig den Eindruck erweckt, Merkel selbst wolle ihr eigenes Kompetenzteam-Mitglied für Wirtschaft werden. Dass das nicht stimmt, zeigt sich wenig später, als durchsickert, dass der saarländische Ministerpräsident Peter Müller diese Aufgabe übernimmt.

Was aber zu diesem Zeitpunkt niemand ahnt, ist der Name des Teammitglieds für Finanzen. Friedrich Merz wird es nicht, so viel ist klar. Edmund Stoiber will sich auch nicht in irgendein Team einreihen lassen, das ist auch klar. Mancher munkelt, der Chef der bayerischen Staatskanzlei Erwin Huber könnte es werden. An Paul Kirchhof denkt niemand. Und so gelingt Merkel, als sie am 17. August ihr Kompetenzteam vorstellt, ein echter Überraschungscoup.

Plötzlich redet kein Mensch mehr über die Mehrwertsteuer. Das Brutto-netto-Thema ist abgehakt. Die Republik blickt fasziniert auf diesen baumlangen Professor, der so kluge Sätze sagt - und dabei handelt es sich um Dinge, die sind so radikal, dass den ganzen raffinierten Politprofis in Berlin der Atem stockt. Mut, Aufbruch, schonungslose Ehrlichkeit - alles, was Angela Merkel dem Land anbieten will und was ihr und ihrer Frisur und ihren Mundwinkeln niemand abkaufen mag, das findet plötzlich aus den Händen des Verfassungsexperten aus Heidelberg reißenden Absatz. Nie sah Hans Eichel einer Büroklammer ähnlicher als in den ersten Tagen der Politikkarriere des Paul Kirchhof.

Und auch was die anderen Mitglieder des Kompetenzteams betrifft, erweist sich Merkels Wahl als glücklich: Die kinderreiche Niedersächsin Ursula von der Leyen zeigt in der Verteidigung der Gesundheitsprämie, dass sie eisenhart kämpfen kann. Peter Müller hält Merkel mit saarländischer Gutmütigkeit den Verdacht sozialpolitischer Grabeskälte vom Leib. Binnen Tagen hat sich das Blatt für Angela Merkel wieder gedreht. ms

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