Führungswechsel bei der Citigroup
Kommentar: Der große Kehraus

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Nur eine Woche hat es gedauert, bis der perfekte Sturm an den Finanzmärkten einen weiteren Top-Banker mit sich fort reißt. Nach dem Abgang von Stanley O’Neal bei Merrill Lynch muss jetzt auch Citigroup-Chef Charles Prince seinen Hut nehmen. Das ist selbst für die raue Wall Street, wo Aufstieg und Fall zum täglichen Schicksal gehören, ein einzigartiger Vorgang.

Die Flut, die mit den Zahlungsschwierigkeiten kleiner Hausbesitzer in Ohio oder Kalifornien begonnen hat, erreicht jetzt die Chefetagen der New Yorker Finanzmeile. Aus der Subprime-Seuche ist längst eine Bankenkrise geworden.

Noch vor einigen Wochen tönten die Manager der großen Finanzhäuser, das Schlimmste sei überstanden. Die Wall Street habe die Krise besser weggesteckt als gedacht, hieß es vollmundig. Heute lernen wir, dass solche Beteuerungen nicht mehr wert sind als die berüchtigten Hypothekenprodukte, die von den Banken geschaffen wurden und die sie heute wie ein Fluch verfolgen.

Noch immer wissen wir nicht wissen, wer wie viele Subprime-Leichen im Keller hat. Analysten sehen bei Merrill Lynch einen weiteren Korrekturbedarf von zehn Mrd. Dollar. Niemand vermag zu sagen, wie viel die Schuldtitel von rund 80 Mrd. Dollar noch wert sind, die Citigroup in Investmentvehikeln hält. Merrill und Citi dürften kaum die einzigen sein, die bislang nicht mit der vollen Wahrheit herausrücken.

Alle großen Banken haben beim riskanten Hypotheken-Roulette mitgemischt. Wenn auch nicht alle dabei so leichtsinnig vorgegangen sind, wie O’Neal und Prince.

Allein auf die Komplexität der modernen Finanzprodukte lässt sich das Schweigen der Wall Street nicht schieben. Merrill hat offenbar versucht, seine finanziellen Belastungen durch windige Geschäfte mit Hedge-Fonds zu verstecken. Mit der gleichen Intention bastelt Citigroup an einem riesigen Rettungsfonds, um sich die Risiken seiner banknahen Investitionsvehikel vom Hals zu schaffen. In beiden Fällen geht es nur darum, den Tag der Wahrheit weiter hinauszuschieben.

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