Fünf Privilegierte bestimmen die Weltpolitik
Macht und Ohnmacht der UNO

Wenn es nach Kofi Annan geht, soll es die größte Reform werden, der sich die Vereinten Nationen in ihrer sechzig Jahre alten Geschichte unterzogen haben. Überfällig ist ein solches Unterfangen allemal. Denn Missmanagement, Verschwendung und Korruption sind nur einige jener Vokabeln, die einem bei einer Bewertung der Arbeit der Uno automatisch über die Lippen kommen.

sin HB DÜSSELDORF. Doch wer solche Vorwürfe an die Weltorganisation und an ihren Generalsekretär adressiert, muss sich stets fragen: Wer ist eigentlich die Uno? Sie ist eine Organisation, die eine extrem heterogene Welt repräsentieren soll – und damit zwangsläufig überfordert sein muss. Denn jede Gemeinschaft kann immer nur so stark und handlungsfähig sein, wie es ihre Mitglieder erlauben.

Sicher, der Apparat könnte gestrafft, die Bürokratie gezügelt, die Effizienz gesteigert werden. Nur: Das größte Defizit, an dem die Uno leidet, kann damit nicht beseitigt werden. Es ist ihre Struktur, die Einteilung der Mitglieder in zwei Klassen, wie sie gerade im Sicherheitsrat zum Ausdruck kommt. In diesem wichtigsten Entscheidungsorgan kann jedes einzelne der mit Vetorecht ausgestatteten ständigen Mitglieder ganz nach Gusto agieren. Fünf Länder bestimmen die Weltpolitik, mehr als 190 müssen sich letztlich mit der Rolle als Zaungäste begnügen. Und an dieser Konstellation wird sich trotz allen Reformeifers auf nicht absehbare Zeit wohl kaum etwas ändern. Nichts deutet darauf hin, dass die Privilegierten je ihre Macht teilen würden.

Insofern ist jede Diskussion über eine Erweiterung des Sicherheitsrats reine Rhetorik. Dies sollten auch die außenpolitischen Strategen in Berlin wissen, die um einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat buhlen – und Gefahr laufen, sich dabei lächerlich zu machen.

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