Fusion der Großbanken in Japan
Kommentar: Die etwas andere Fusion

Bankenfusionen aus Japan sind nichts Neues. In mehreren Wellen haben wir davon seit dem Platzen der Spekulationsblase in den späten achtziger Jahren eine ganze Reihe gesehen.

Von oben verordnet, um die schwachen Institute einfach durch Größe vor dem Untergang zu schützen, führten sie oft zu Hahnenkämpfen der neuen Partner und verzögerten den Abbau fauler Kredite. Die jetzt verhandelte Fusion von Mitsubishi-Tokyo und UFJ jedoch hat einen anderen Charakter. Sie macht strategisch Sinn, werten Analysten. Die Mitsubishi-Tokyo Finanzgruppe (MTFG), die gesündeste der Großbanken, kombiniert ihre Finanzkraft mit den starken Geschäftsfeldern der UFJ im Privatkundengeschäft und bei der Kreditvergabe an kleine und mittelständische Firmen - erwiesene Schwachpunkte bei der Aufstellung der MTFG. Dafür muss sie erst einmal kräftig in die Taschen greifen. Gerüchte um eine nötige Kapitalerhöhung für UFJ hatten nicht abgerissen. Während der Fusionsverhandlungen wird Mitsubishi-Tokyo sehen, ob sie sich diesen schnellen Weg der Expansion leisten will. Die Fusion ist also weniger ein Zusammenschustern von Instituten als eine strategische Übernahme.

Seit es Japans Banken wieder besser geht und sie ihre erst wenige Jahre zurückliegenden Zusammenschlüsse verdaut haben, blicken sie wieder nach vorne und arbeiten an ihrer strategischen Aufstellung. Mitsubishi-Tokyo und Sumitomo-Mitsui etwa haben jüngst in Kapitalbeteiligungen an Konsumentenkreditfirmen investiert, um ihr schwaches Retailgeschäft zu stärken. Das lange vernachlässigte Privatkundengeschäft wird nicht zuletzt durch eine zunehmende Deregulierung interessanter, die es erlaubt, den Kunden auch Versicherungen oder in Zukunft Investmentprodukte anzubieten.

Auf der Suche nach attraktiveren Margen, denn die fehlen den Instituten noch, treten die japanischen Banken übrigens auch wieder vorsichtig stärker auf der internationalen Bühne auf, etwa indem sie ihre Kunden nach China begleiten. So mancher Konkurrent in Übersee hat sie wohl zu früh abgeschrieben. Welcome back.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
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