Fusion von Merck & Co und Schering-Plough
Pharmaindustrie flüchtet sich in die Größe

Gut vier Jahre lang herrschte gespannte Ruhe. Doch nun kommt unvermittelt wieder Bewegung in die Pharmabranche.
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Nach der Übernahme von Wyeth durch den Branchenführer Pfizer bahnt sich mit dem Kauf von Schering-Plough durch Merck & Co die zweite Großfusion innerhalb weniger Wochen an. Rechnet man die 45 Mrd. Dollar schwere Offerte des Schweizer Konzerns Roche für die außen stehenden Anteile an seiner Mehrheitsbeteiligung Genentech mit ein, sind damit für 2009 bereits Pharma-Transaktionen im Gesamtwert von gut 150 Mrd. Dollar vorgezeichnet. Und einiges spricht dafür, dass damit noch nicht das letzte Wort gesprochen ist. Weitere Mega-Deals erscheinen keineswegs ausgeschlossen.

Denn der jüngste Konzentrationsschub reflektiert indirekt die zusehends schwächeren Perspektiven für die einstige Wachstumsindustrie. Von den Schwierigkeiten anderer Branchen ist sie zwar nach wie vor weit entfernt. Aber das Pharmageschäft hat in den letzten Jahren kontinuierlich an Schwung verloren. Fünf der zehn führenden Hersteller, darunter Pfizer, Merck und Wyeth, verbuchten 2008 Umsatzrückgänge auf währungsbereinigter Basis. Mit Ablauf zahlreicher wichtiger Patente in den nächsten zwei bis drei Jahren wird sich die Schrumpfung der Verkäufe fortsetzen oder sogar beschleunigen.

Hauptproblem bleibt die Produktentwicklung. Der Mehrzahl der großen Konzerne ist es nicht gelungen, genügend neue Wirkstoffe durch die Zulassungen zu bringen, um das "Patent-Cliff" zu umschiffen. Zahlreiche Neuentwicklungen scheiterten in den klinischen Prüfungen oder an wachsenden Anforderungen an Sicherheit und Wirksamkeit. Etliche bereits zugelassene Hoffnungsträger gerieten in die Kritik (wie der Cholesterinsenker Vytorin) oder mussten komplett vom Markt genommen werden (wie das Schmerzmittel Vioxx).

Das bisherige Geschäftsmodell der Branche, das von der stetigen Erneuerung der Produktpalette lebt, gerät damit zusehends ins Wanken.

Neue Modelle sind zwar am Horizont zu erkennen, etwa in Form von Spezialmedikamenten für eng differenzierte, zum Teil genetisch definierte Krankheitsbilder. Dieses Konzept, das vor Jahren bereits als "personalisierte Medizin" gefeiert wurde, verspricht zumindest auf lange Sicht einige Hoffnung für die Branche. Aber ob tatsächlich schon in näherer Zukunft genügend neue Spezial-Medikamente aus den Laboren kommen, um den großen Pharmakonzernen den schmerzhaften Weg durch ein Umsatztal zu ersparen, bleibt offen.

Hinzu kommen neue Unsicherheitsfaktoren wie die von US-Präsident Obama forcierte Gesundheitsreform. Sie könnte unter anderem zu einem wachsenden Regierungseinfluss auf die Pharmapreise führen und damit das bislang noch hochprofitable US-Geschäft der Pharmakonzerne zusätzlich belasten. Alles in allem ist damit der Druck auf Big Pharma weiter gewachsen, neue Ertragsreserven außerhalb des organischen Wachstums zu erschließen.

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