Fusionen und Übernahmen
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Da kann die Binnenkonjunktur noch so lahmen, Deutschlands Konzerne gehen auf Einkaufstour. Bevorzugt im Ausland. Den nächsten Coup könnte Post-Chef Klaus Zumwinkel landen. Am Donnerstag bestätigte der Bonner Konzern Übernahmeverhandlungen mit der britischen Logistikfirma Exel. Über Preise zu reden wäre zu früh. Doch vier bis fünf Milliarden Euro wird Zumwinkel das kosten. Es wäre ein Höhepunkt seiner aggressiven Expansionspolitik.

Zumwinkel befindet sich in bester Gesellschaft. Lange sah es so aus, als würden Finanzinvestoren den Markt leer kaufen. Doch seit einigen Monaten mischen die Blue Chips der deutschen Wirtschaft verstärkt mit. Der Reisekonzern Tui will die kanadische Containerreederei CP Ships aufkaufen, Kostenpunkt fast zwei Milliarden Euro. Springers TV-Geschäft ist schon perfekt. Der Verlag übernimmt die Senderkette Pro Sieben Sat 1, was am Ende stolze 4,2 Milliarden Euro kosten könnte. Adidas legt für den US-Konkurrenten Reebok rund drei Milliarden Euro auf den Tisch. Fresenius Medical Care verstärkt sich ebenfalls in den USA und kauft Renal Care für 3,2 Milliarden. Die Telekom expandiert in Österreich (Kosten 1,3 Milliarden). Siemens geht im Inland shoppen und gibt für Flender-Antriebstechnik mal eben 1,2 Milliarden Euro aus.

Die Reihe der Zukäufe und Übernahmen ließe sich fortsetzen. Im ersten Halbjahr explodierte der Markt auf 94 Milliarden Euro, Unternehmen wie Beteiligungsgesellschaften sind dabei, in diesem Jahr fast doppelt so viel Geld in Mergers & Acquisitions zu stecken wie im Vorjahr, angetrieben von sprudelnden Gewinnen, beflügelt von der guten Stimmung am Aktienmarkt. Experten sind überzeugt, dass europaweit noch mindestens 150 solcher Jumbo-Fusionen vorbereitet werden – mit Schwerpunkt in Deutschland.

Wenn der 18. September vorüber ist, könnte das Geschäft erst richtig in Gang kommen. Sosehr viele Manager auch hoffen, dass Angela Merkel mit ihrem Team die Wahl gewinnt, so sehr fürchten sich ihre Finanzvorstände vor dem Tag danach. Merkel hat das Ende der Steuerfreiheit für Veräußerungsgewinne angekündigt.

Dieses überraschende Geschenk an die Kapitalgesellschaften stärkte 1999 den Ruf des SPD-Kanzlers Gerhard Schröder als „Genosse der Bosse“. Eine CDU/CSU-geführte Regierung will damit Schluss machen. Merkel könnte mit ihren Plänen einen eindeutigen Trend zu einem neuen Boom verstärken – vermutlich ungewollt. Siegt die Union, gilt für die Manager nach der Bundestagswahl das Motto: Alles muss raus, bevor die Gesetze geändert werden und der Fiskus zuschlägt.

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