Fußball-EM 2012
Kommentar: Europa endet am Ural

An der Größe des Umschlages war die Bedeutung seines Inhaltes bereits abzulesen. Din A4 statt wie üblich bei Bekanntmachungen dieser Art A5. Aber hier ging es um die Europameisterschaft, das zweitgrößte Fußballturnier der Welt. Und um die erste bedeutsame Amtshandlung des neuen Uefa-Präsidenten Michel Platini. Dann darf der Enveloppe schon mal größer sein. Lächeln, ein umständlicher Riss, Lächeln. Und: Polen und Ukraine bekommen die EM.

Der sieche Fußball im Osten hat seine erste wirtschaftliche wie auch sozial heilbringende EM. Und Platini seinen ersten politischen Etappenerfolg auf dem schweißtreibenden Weg, Westeuropas Hochglanzfußball auch in die Ligen im Osten zu tragen. Sante!

Über die Wahl mag nun wacker gestritten werden. Stoff gibt es ja reichlich. Die Ukrainer kurz vor einem Bürgerkrieg, der Fußball Oligarchenverseucht und Hooligangeplagt, was das Gespräch über Sinn und Unsinn dieser Wahl dann Richtung Polen verlagert, dahin, wo in den Stadien geprügelt wird und Spielergebnisse bisweilen auch schon mal vorab vereinbart werden, und wo es keine Autobahnen gibt. Alles beinahe richtig. Alles irrelevant.

Wie auch darüber zu diskutieren, ob Platini diese Entscheidung gebraucht hat wie keine zweite, um weiter regieren zu können. Seine Reformpläne waren in jüngster Zeit ja heftig gestutzt worden. Keine Aufstockung der EM von 16 auf 24 Mannschaften. Auch keine wirkliche Reform der Champions League. Und die Vergabe der EM an die Bewerber aus dem Osten soll ihm nun angeblich jenes Stimmvieh für Mai besorgen, wenn er sich per Statutenände-rung und Zweidrittelmehrheit zum hauptamtlichen Präsidenten wählen lassen möchte.

So man denn diese Wahl überhaupt in irgendeiner Weise deuten mag, nicht dann doch besser so? Jenseits von Ranküne und Machtspielereien weitet diese Wahl das Bewusstsein um die Erinnerung, dass Europa nicht an der Oder endet und auch nicht an der italienischen Adriaküste. Sondern, bekanntermaßen am Bosporus und am Ural.

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