Fußball
Geld schießt Tore

Geld schießt keine Tore. Mit diesem Spruch trösten sich Fans von Fußballvereinen, wenn bei ihnen beim Blick auf finanzstarke Rivalen der Neid aufsteigt. Auf die lange Sicht schießt Geld aber doch Tore. Nämlich dann, wenn es stets und reichlich vorhanden ist und von einem Top-Management und Top-Trainern ausgegeben wird. Das belegt in diesem Jahr eindrucksvoll die Premier League, die Top-Etage des englischen Fußballs. Sie dominiert Europas Champions League derart, dass die Buchmacher auf ein rein englisches Finale setzen. Das ist kein Zufall, sondern Folge von Milliardenzuflüssen in die Liga.

Mit Kopfschütteln verfolgte die Bundesliga, wie die Premier League zum Spielfeld für internationale Investoren wurde: von professionellen Sportteam-Betreibern wie den Glazers aus den USA, die Manchester United gekauft haben, bis zum russischen Ölmilliardär Roman Abramowitsch, der den Hauptstadtverein Chelsea mit Hunderten von Millionen Euro aufpäppelte. Selbst Clubs aus der zweiten Reihe fanden neue Eigner, um auf dem Spielermarkt mithalten zu können. In der Premier League treten heute Weltauswahl-Mannschaften gegeneinander an. Entsprechend steigen die Einnahmen aus der Vermarktung von Senderechten und Fan-Artikeln. Stadionneubauten treiben die Ticket-Einnahmen. Der Boom nährt sich selbst. Da kann selbst Bayern München nur ohnmächtig die Wettbewerbsverzerrung beklagen. Was hilft solides Wirtschaften, wenn das Geld für den Kauf echter Spitzenspieler nicht reicht? Vermutlich werden sich auch deutsche Clubs privaten Besitzern öffnen müssen – und zwar nicht westfälischen Brauern oder fränkischen Teppichhändlern, sondern internationalen Investoren mit tiefen Taschen und möglichst auch mit Entertainment-Erfahrung

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Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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