Fußball-WM
Kommentar: Armes Deutschland

In dieser Republik ist es schwierig geworden, ein Projekt von Anfang bis Ende durchzuziehen, es also den Planungen gemäß rechtzeitig und vor allem auch ohne Pannen Realität werden zu lassen. Ausgerechnet die Fußball-Weltmeisterschaft, die 2006 das gastfreundliche Deutschland von seiner besten Seite präsentieren und manchen Besucher-Euro in die Kassen holen soll, scheint sich auf einer solchen schiefen Ebene zu bewegen.

Vom Bundeskanzler bis zu Beckenbauer war die Begeisterung groß, als der Fußballweltverband Fifa das Turnier nach Deutschland vergab. Doch mit dem Ja-Wort kamen auch Pflichten: Nicht nur weltmeisterliche Stadien waren gefragt, sondern auch Verkehrsinfrastrukturen, die den Fans eine reibungslose An- und Abreise ermöglichen.

Autobahn-Ausbau, S-Bahn-Haltepunkte, Straßenbahn-Erweiterungen, Leitsysteme. Das alles kostet Geld, viel Geld. Doch öffentliche Investitionen tun heute weh, vermutlich weher als zum Zeitpunkt der WM-Vergabe vor fünf Jahren. Da senkt der Bund mal eben klammheimlich sein Investitionsprogramm für Straße und Schiene um fast ein Drittel, da ist die Bahn so klamm, dass sie nicht einmal einen einstelligen Millionenbetrag für die Auffrischung vergammelter S-Bahn-Stationen beisteuern kann. Und dann streiten sich alle Beteiligten auch noch um ein kostengünstiges WM-Ticket, weil keiner den Zuschussbedarf finanzieren will.

Und schon wird hinter vorgehaltener Hand argumentiert, so richtig Geld werde die WM ja wohl ohnehin nicht einspielen. Armes Deutschland. Arm an Geld, arm an Geist. Vielleicht sollte man die Olympiabewerbung für Leipzig vorzeitig zurückziehen. Das ist bestimmt die billigere Lösung.

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