G8-Gipfel
Kommentar: Schlechtes Klima

Der Klimavorstoß der USA kurz vor dem G8-Gipfel in Heiligendamm enthält viel heiße Luft, aber auch einen kleinen Hoffnungsschimmer. So zeigt sich US-Präsident George W. Bush erstmals bereit, über Obergrenzen für den Ausstoß von Treibhausgasen zu sprechen.
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Über konkrete Ziele will er jedoch frühestens Ende nächsten Jahres reden. Und das auch nur dann, wenn Länder wie Indien und China mit am Tisch sitzen. Damit erteilt Bush den Vorschlägen von Angela Merkel eine klare Absage. Die Bundeskanzlerin wollte schon nächste Woche beim G8-Gipfel einen Deckel auf die Schornsteine der Industrie legen. Ein Vorhaben, das ohne Unterstützung der USA zum Scheitern verurteilt ist.

Die Initiative aus Washington ist vor allem ein taktisches Manöver, damit Bush nicht mit leeren Händen nach Heiligendamm reisen muss. Die US-Regierung hat sich im Klimastreit weitgehend isoliert. Nicht einmal Bushs Lieblings-Europäer Tony Blair unterstützt die amerikanische Blockadehaltung.

Der Präsident sucht deshalb die Flucht nach vorn. Sein Schachzug ist jedoch nur der Versuch, das Thema weiter auf die lange Bank zu schieben. Wer will ernsthaft Ende nächsten Jahres mit einem US-Präsidenten verhandeln, dessen Nachfolger dann bereits gewählt ist? Sicher nicht China. Haben die Chinesen doch bereits klar gemacht, dass sie ihren wirtschaftlichen Aufstieg nicht durch ein globales Klimaschutzabkommen bremsen lassen wollen.

Der Hoffnungsschimmer der US-Initiative besteht jedoch darin, dass sie den Weg für eine neue Klimapolitik in der Ära nach Bush bereitet. Außerdem enthält sie den richtigen Gedanken, dass sich der Klimawandel nur gemeinsam mit Indien und China stoppen lässt. Das heißt jedoch nicht, dass Amerika auf die Nachzügler warten muss.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent

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