Galileo
Himmlisches Debakel

Erst die Pleite bei der europäischen Suchmaschine Quaero und jetzt das himmlische Debakel mit dem europäischen Satellitensystem Galileo, das dem amerikanischen GPS-System Konkurrenz machen soll. Auch national sieht es nicht besser aus. Der digitale Behördenfunk floppte, und die elektronische Gesundheitskarte leidet an einer Neugeborenen-Infektion.

Bei High-Tech-Projekten scheint es um die Kooperation zwischen Politik und Industrie nicht zum Besten bestellt zu sein. Die Frage ist: Warum tun sich die Beteiligten mit diesen Vorzeigeprojekten so schwer? Wie immer in solchen Fällen läuft die Suche nach dem Schuldigen für die Galileo-Pleite auf Hochtouren. Einmal ist es die Politik mit ihren ständig neuen Forderungen und überzogenen Erwartungen. Dann wieder sind die Unternehmen die Buhmänner, die auf Kosten des Staates ihre eigene Rendite nach oben schrauben wollten.

Solche Schuldzuweisungen treffen nicht den Kern der Problematik. Die Gründe für die sich häufenden Fehlschläge liegen tiefer, müssen an der Wurzel solcher Projekte gesucht werden. Genau das verdeutlicht die Galileo-Blamage. Es beginnt mit dem Geschäftsmodell für das Satelliten-Projekt. Geplant war eine Partnerschaft zwischen Industrie und Politik beziehungsweise den EU-Staaten. Doch ein solcher Ansatz ist gerade für anspruchsvolle High-Tech-Vorhaben denkbar ungeeignet. Denn der Plan, ein Mammutprojekt mit erheblichen innovativen Elementen nach den Vorstellungen und dem Zeitplan der Politik zu realisieren, muss scheitern. Erfindungen lassen sich nicht von oben verordnen. Die Entwicklungs- und damit Innovationszyklen der Industrie sind nun mal anders – im Zweifel schneller – getaktet als die Sitzungsperioden der Politiker.

Im Fall Galileo zeigt sich dieses Manko mehr als deutlich. Aus eigenem Antrieb hätte wahrscheinlich keines der Konsortium-Mitglieder aus der Industrie ein solches Vorhaben angefasst. Die Marktrisiken sind einfach zu groß, mal abgesehen von den technologischen Hürden. Das GPS–Signal der Amerikaner ist kostenlos zu haben, und andere Länder wie China wollen ein eigenes System aufbauen – wer braucht zusätzlich Galileo? Angesichts dieses Umfelds hätte jedes Management Ideen wie Galileo sofort ganz nach unten in die Schublade gepackt.

Nun wäre es fatal, deshalb sämtliche High-Tech-Vorhaben der öffentlichen Hand abzublasen. Natürlich kann es sinnvoll sein – auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten –, eigene Satelliten in den Orbit zu schicken. Die Entwicklungen in der Informationstechnologie schreiten rasch voran. In Zukunft werden über die simple Satellitenortung hinaus neue, speziellere Anwendungen – etwa in der Verkehrsleitung oder der Einsatzplanung der Polizei

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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