Gastbeitrag zu Griechenland
„Eine Wette auf die europäische Politik"

Investoren reißen sich um Griechenlandbonds – allerdings nicht, weil es der Wirtschaft des Landes plötzlich so gut ginge. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka Bank, über die wahren Verkaufsargumente der Anleihen.
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Griechenland ist zurück am Finanzmarkt. Genau genommen war es niemals ganz weg, denn fast während der gesamten Krise hat das Land weiterhin Geldmarktinstrumente emittiert. Jetzt ist jedoch die Zeit gekommen, auch längerfristige Kapitalmarktpapiere zu emittieren, beginnend mit fünfjährigen Anleihen. Damit ist Griechenland eine Rückkehr an die Märkte in Rekordzeit gelungen: nur 2 Jahre nach einem Schuldenschnitt begibt das Land wieder Anleihen.

Damit wird der Bedarf an Neuverschuldung, den das Land insgesamt immer noch hat, sowie der Bedarf an Prolongation der bestehenden Anleihen nicht mehr hauptsächlich durch Kredite des Europäischen Stabilisierungsmechanismus ESM und damit die Euroland-Gemeinschaft befriedigt, sondern auch wieder durch Marktteilnehmer, denen eine Verzinsung von knapp fünf Prozent ausreichend erscheint für die Risiken der Nicht-Bedienung in den kommenden Jahren bis 2019.

Die starke Nachfrage institutioneller Investoren nach der neuen griechischen Anleihe wird jedoch auch stark von technischen Argumenten beeinflusst. Dazu zählt vor allem die Struktur der griechischen Staatsschulden, die sich aus sehr langfristigen Krediten und Anleihen zusammensetzt. Aus der Sicht einiger Investoren, die sich in Südeuropa engagieren wollen, macht dies eine fünfjährige griechische Anleihe attraktiv etwa im Vergleich zu Emissionen Portugals, das von 2015 bis 2023 Anleihen von etwa 50 Milliarden Euro refinanzieren muss.  

Aus griechischer Sicht ist das trotzdem ein Erfolg. Nicht umsonst erhofft sich die Regierung hiervon innenpolitischen Rückenwind für den vom griechischen Standpunkt (zu) harten Sanierungskurs, dessen politische Unterstützung im Parlament zuletzt deutlich erodiert ist.

Erfolge gibt es auch zu verzeichnen, allerdings erst recht oberflächliche oder allenfalls Anfangserfolge auf einem langen Weg. Griechenland hat im Rekordtempo von weniger als zwei Jahren ein Staatsdefizit von 12 Prozent in Relation zum eigenen Bruttoinlandsprodukt auf einen Fehlbetrag von etwa zwei Prozent zurückgefahren.

Ohne die Zinszahlungen auf die aufgelaufenen Schulden verzeichnet der Staatshaushalt einen Überschuss. Das Land hat in dieser Zeit eine schwere Rezession erlebt, die das Bruttoinlandsprodukt real wieder auf den Stand bei Eintritt in die Währungsunion gebracht hat.

Kommentare zu " Gastbeitrag zu Griechenland: „Eine Wette auf die europäische Politik""

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  • Der Primärüberschuss von Griechenland ist doch auch wieder nur getürkt. Wenn dieser Staat seine unbezahlten Rechnungen mal hochrechnen würde, wäre von dem ach so überraschenden Primärüberschuss nicht mehr übrig.

  • Wie sie es oben schreiben. Eine "Wette" die lukrativ ist. Die Finanzmärkte sind alles nur noch Wetten. Wir haben doch die Notenbanken, welche die Finanzmärkte stets versorgen. Die Wetten darauf sind jedenfalls sicherer als einige Arbeitsplätze. Geld ist genug vorhanden und man sucht nach guter Rendite, das Sparbuch hat ausgedient.

  • Für mich ist es vollkommen unverständlich, dass die Troika den Griechen erlaubt, neue Schulden aufzunehmen. Das ist doch nun wirklich die totale Verarschung. Die reichen Gockel in Griechenland stopfen sich auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung in Europa die Taschen voll, die Jugendarbeitslosigkeit in Griechenland liegt bei über 50%, viele Griechen haben überhaupt keine Zukunftsperspektive mehr und unsere Politiker über sich lieber in Kriegsspielen als sich um wichtige Dinge zu kümmern. - armes Deutschland!

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