Gastkommentar
Das Euro-Kartenhaus kann einstürzen

Europas Währungsunion weist gravierende Strukturfehler auf. Diese könnten dafür sorgen, dass das Systems zusammenbricht. Ex-IWF-Chefökonom Simon Johnson erklärt die Ursachen und zeigt, was Euro und Goldstandard vereint.
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Die Schaffung des Euros vor über einem Jahrzehnt war ein mutiges und einzigartiges Experiment. Was dabei herauskam, erweckt heute jedoch großen Zweifel. Es ist fraglich, ob der Euro überleben wird und ob es für die Europäer richtig ist, ihn zu behalten.

Der Euro weist wichtige gemeinsame Merkmale mit manchen Versionen des alten Goldstandards auf. Damals legten die Länder ihre Wechselkurse zueinander fest, indem sie den Preis festsetzten, zu welchem die einheimische Währung in Gold eingetauscht werden konnte. Heute vertreten einige - oft lautstark - den Standpunkt, dass der Goldstandard mit wirtschaftlicher und finanzieller Stabilität gleichzusetzen war. Das allerdings steht in krassem Gegensatz zu den historischen Daten: Das Zeitalter des Goldstandards ist voller Auf-und-ab-Phasen, die durch übermäßige Kreditaufnahme von Staaten, Firmen, Einzelpersonen oder allen zusammen verursacht wurden.

Zwischen dem Euro und dem Goldstandard bestehen drei Unterschiede, von denen momentan keiner besonders beruhigend ist: Erstens war die zentrale Prämisse des Goldstandards eine weltweit begrenzte Goldmenge. Mehr Gold konnte nicht geschaffen oder entdeckt werden, zumindest nicht in kurzer Zeit. Im Gegensatz dazu kann die Europäische Zentralbank, falls gewünscht, mehr Euro drucken.

Regierungen und Investoren wissen das, und das Resultat sind immer höhere Staatsschuldenquoten, als dies unter dem Goldstandard möglich gewesen wäre. Derartige Schuldenstände sind so lange tragbar, wie die Investoren davon ausgehen, dass der nächste Bail-out zum Greifen nahe ist. Wenn die EZB aber droht, die Unterstützung einzustellen, kann das ganze Kartenhaus einstürzen.

Zweitens sind die Finanzmärkte im Vergleich zu den Entwicklungen unter dem Goldstandard riesig geworden. Die europäischen Banken konnten so stark wachsen, weil angenommen wurde, dass ihre Regierungen hinter ihnen stünden. Diese Banken sind nun nicht nur in Relation zu mancher nationalen Ökonomie groß, auch die Kreditwürdigkeit ist in der ganzen Peripherie der Euro-Zone fragwürdig - einschließlich Italiens. Der Ausdruck „risikofreier Vermögenswert“ ist im heutigen Europa zu einem Widerspruch in sich geworden.

Die europäischen Banken operieren zu einem großen Teil auf Basis von Schulden und sehr wenig Eigenkapital - der wesentliche Puffer gegen potenzielle Verluste. Jeder Schock im Hinblick auf die Staatsschulden oder ein weiterer Abschwung in lokalen Ökonomien wird durch ein überschuldetes und unterkapitalisiertes Bankensystem auf andere europäische Länder und auch auf andere Teile der Welt, einschließlich der Vereinigten Staaten, übertragen.

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Kommentare zu " Gastkommentar: Das Euro-Kartenhaus kann einstürzen"

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  • Komisch: Der Mann zeigt in einer vorzüglichen Analyse, dass der Euro in seiner gegenwärtigen Form eine Totgeburt ist - und dann fordert er am Ende (versteckt), dass Deutschland sich für diesen Wechselbalg zu Tode bluten soll?

    Wann ersparen uns unsere Medien endlich die "Ratschläge" der angelsächsischen Hochfinanzagenten?

  • Ich werde mich nicht versklaven lassen.

    Ich werde kämpfen.

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  • Immer diese Vorschläge, daß die Deutschen alles zahlen sollen. In einer Schulden-, Inflations- und Transferunion. Und politisch wird da bei der deutschen Bevölkerung kein Schaden verursacht? Noch merkt der Michel nicht viel - aber wenn es so weit ist, dann wird ein Donnergrollen vernehmbar sein.
    Es gab noch nie ein Volk, das sich für ein "politisches Projekt" dauerhaft versklaven ließ. Schlagen Sie das mal den US-Amerikanern vor - oder den Briten. Dann wissen sie, wie ein gesundes Volk auf solch ein Ansinnen reagiert!

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