Gastkommentar

„Der ESM ermöglicht Gläubigerbeteiligung“

Es gibt nicht nur einen Weg aus der Krise, erklärt Clemens Fuest von der Universität Oxford. Daran sollte auch die Bundesregierung bei ihren Verhandlungen über die Umsetzung der Brüsseler Beschlüsse denken.
25 Kommentare
Clemens Fuest: Der 43-Jährige ist Professor an der Universität Oxford, England. Quelle: dpa

Clemens Fuest: Der 43-Jährige ist Professor an der Universität Oxford, England.

(Foto: dpa)

Zur Bekämpfung der Euro-Krise gibt es zwei Strategien. Die erste besteht darin, dass die Krisenländer sich bei den noch solventen Staaten weiter verschulden, um die Anpassungen zur Wiedergewinnung von Wettbewerbsfähigkeit zeitlich strecken zu können. Die zweite Strategie setzt auf eine schnellere Anpassung und Schuldenschnitte, also die Beteiligung der Gläubiger überschuldeter Staaten und Banken an den Sanierungskosten. Dabei haben Rettungsschirme vorrangig die Funktion, zu verhindern, dass Schuldenschnitte oder Bankenrestrukturierungen die gesunden Teile der Wirtschaft und des Finanzsystems beeinträchtigen, wie es nach der Pleite der Lehman-Bank 2008 geschehen ist.

Das Hauptproblem des jüngsten EU-Gipfels besteht darin, dass ausschließlich die erste Strategie forciert wird. Das könnte dazu führen, dass die Mittel des Rettungsfonds (ESM) schnell verbraucht sind und die Staaten der Euro-Zone bald erneut darüber verhandeln müssen, die Haftung der noch solventen Mitgliedstaaten auszudehnen.
Der Gipfel hat drei Beschlüsse gebracht. Erstens wird ein staatliches Investitionsprogramm in Höhe von 120 Milliarden Euro aufgelegt. Zweitens sollen die Rettungsschirme Staatsanleihen aufkaufen, ohne dass der betreffende Mitgliedstaat einem Sanierungsprogramm mit Troika-Aufsicht unterworfen wird. Drittens soll der ESM künftig nicht nur Staaten Kredite geben, sondern auch direkt Banken rekapitalisieren können. Das soll mit der Schaffung einer neuen Bankenaufsicht für die Euro-Zone einhergehen.

Können diese Beschlüsse die Euro-Zone stabilisieren? Das Investitionsprogramm schadet nicht, nützt aber auch nicht viel. Ein Teil des Geldes stand schon vorher zur Verfügung. Die beiden anderen Maßnahmen bergen Sprengstoff. Die italienische Regierung möchte Hilfen bekommen, Auflagen und externe Kontrollen lehnt sie aber ab. Dafür gibt es keine überzeugende Rechtfertigung. Regierungschef Mario Monti behauptet, das Land unternehme bereits, was möglich ist, um die Krise zu überwinden. Wenn das so wäre, bräuchte er die Troika-Besuche nicht zu fürchten. Der Verzicht auf Auflagen und Kontrollen wird zwei Effekte haben: Erstens werden die Reformanstrengungen nachlassen. Zweitens werden die Hilfen stärker in Anspruch genommen.

Gläubigerbeteiligung gehört zum Krisenmanagement
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

25 Kommentare zu "Gastkommentar: „Der ESM ermöglicht Gläubigerbeteiligung“"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @Bankenrun
    Lese jeden Abend Ihre tollen und fundierten Beiträge.
    Machen Sie so weiter. Es blicken vielleicht 5% bei solchen
    schwierigen Themen durch.Das ist zu wenig, deshalb kommen
    solche Mondergebnisse bei Wahlen heraus. Die einzigste
    Chance die ich sehe, dass sich die Freien Wähler bundesweit
    einmischen und bei Wahlen antreten. Es gibt so viele
    kompetende Bürger( siehe Blogbeiträge), die sich bei dieser
    Partei einmischen, um Veränderungen einzuleiten. Herr
    Eiwanger wann ist es soweit? Wenn die freien Wähler nicht
    wollen, dann sehe ich nur die Gründung einer EU- Protestpartei
    auf absehbarer Zeit. Viele Blogteilnehmer würden gerne in
    einer solchen Partei mitarbeiten, aber viele sind beruflich
    sehr stark eingespannt.
    MfG
    Walter Schmid


  • Auch diese Krise wurde nur vom Zaun gerissen, um den großen Plan zu 1 Weltregierung voran zu treiben.

    Das Netzwerk der Illuminati
    Es ist der Plan der globalen Elite, die Welt zu beherrschen und ihre "eine Welt" oder ihre "Welt AG" zu etablieren. Sie wollen die Welt nicht unbedingt regieren, sondern sie total kontrollieren und besitzen. Sie wollen die weltumspannende Konzerndiktatur, wo sie dann den Vorstand bilden.
    Hier weiterlesen:

  • teils ja, und warum müssen wir unser grundgesetz angreifen, wenn wir einfach die - wie scho so lange gefordert - ezb reformieen können. sitzverteilung, und nach dragi nur nordeuropäer aus stabilitätstradition. und so is der "leander of l...reso..." da.

  • Die Eurokraten und dessen Finanzmafia feiern wieder, da dieses auf Kosten der Steuerzahler ausgetragen wird. Darum sind auch die Aktien gestiegen. Nur das Volk soll dieses Spiel nicht durchschauen, da dieses sofort einen Bankenrun durchführen würde und das Geld in Sicherheit bringt.
    Ich kann nur jedem empfehlen, diese Looserwährung in Realwerte umzuschichten. Sie können dann die Inflationierung unserer Sparguthaben nicht mehr durchführen und nur auf den Konten der schlafenden Steuerzahler bzw auf den Konten der Politiker und Bankster durchführen. Letztere werden aber ihre Gehälter schnell aufstocken und nur die Steuerzahler werden alles verlieren.
    Auch dieser Betrug wird von den Spekulanten schnell durchschaut werden. Durch dieses QE EU sollte eigentlich der Goldpreis enorm anheizt werden. Das QE 3 von Amerika hat den Goldpreis auch extrem angeheizt und den Dollar in den freien Fall gebracht. Dadurch werden diese Gelddruckorgien nicht mehr öffentlich gemacht sondern verdeckt durch die FED durchgeführt und in Europa heißt diese Aktion ESM. Ich hoffe, somit eine gewisse Aufklärung erbracht zu haben.

  • Es gibt Leute, die glauben, die ESM Bank muss erst Geld eintreiben, um Kredite vergeben zu können. So wie beim EFSF. Nein, das ist nicht mehr notwendig. Mit der Bankenlizenz kann Geld in unbegrenzter Höhe gedruckt werden. Dadurch kann diese Betrugsmaschinerie auch nicht verklagt werden. Bei einem Eurocrash, welcher durch diesen Stabilitätspakt hinauszögert wird, werden erst dann die Staaten die Verluste realisieren. Da anschließend sowieso eine Währungsreform ansteht, kann man diese Kredite abschreiben.
    Durch diese Gelddruckorgie wird die Inflation ordentlich eingeheizt aber der Wert des Euro fällt nicht gleich. Außerdem kann man die Währungskurse schön über die Zentralbanken manipulieren.
    Der ESM bzw. ESM Bank ist eigentlich ein dauerhafte Quantitative Easing EU. Sie haben nur einen anderen Namen dafür und den Ort der Geldvermehrung aus der EZB gezogen. Die Hyperinflation kann beginnen! Man soll den Zusammenhang zwischen ESM und der massiv einsetzenden Inflation nicht verstehen.

  • Der ESM!
    Ist ein riesiger Betrug und die wenigsten Menschen durchschauen es. Wirklich raffiniert gemacht. Hut ab!!!
    Der ESM wird mit einer Bankenlizenz ausgestattet wie schon vom ehemaligen Ministerpräsident Frankreichs Nicola Sarkozy gefordert wurde. Dadurch kann diese Bank, so wie jede andere Bank, Kredite vergeben (Geld drucken) bzw. Kredite von der EZB übernehmen. Somit können sämtliche Schrottpapiere und faulen Kredite aufgekauft werden. Diese ESM Bank wurde quasi als Ersatz für die privaten Banken geschaffen, die diese toxischen Papiere nicht mehr aufkaufen. Wenn die privaten Bankster die Papiere nicht kaufen, dann machen wir Eurokraten uns selbst eine Bank, die die toxischen Papiere aufkauft und unbegrenzt Geld drucken kann. Diese riesige Gelddruckmaschine macht im Prinzip genau dasselbe wie die FED! Klopapier in frisch gedrucktes Geld tauschen.
    Das mit den Staaten, welche Geldleistungen innerhalb von 7 Tagen erbringen müssen, ist einerseits als Ablenkung in den Gesetzestext aufgenommen worden bzw. soll dadurch der Anschein erweckt werden, dass gesunde Staaten (wenn man das so sagen kann), Pleiteländer finanziell unterstützen. Das Geld, welches der ESM von den Staaten fordern kann, ist meiner Meinung nur eine Art Eigenkapital für die Bank und es werden momentan noch keine Forderungen gestellt, bis die Scheiße ins dampfen kommt.
    Sie stellen uns eine riesige Gelddruckmaschine in Europa hin unter dem Deckmantel ESM! Eigentlich könnte die EZB dasselbe tun. Aber dann wird sofort das Vertrauen( falls noch vorhanden) in den Euro schwinden und der Wert des Euroklopapiers in den Keller rasseln! Dabei explodiert dann der Goldpreis und das Spiel ist aus!

  • Der letzte Satz hat es ins sich "Hilfen gegen enge Auflagen.." "Wenn es nicht gelingt dann.."
    Aller Wahrscheinlichkeit nach wird es nicht gelingen... und dann unbeschräkte Solidarhaftung... So wird es kommen, da eine Auflösung der Währungsunion aus "übergeordneten politischen Gründen" nicht vorgesehen ist,und ganz zu Schweigen aus Gründen der Target II Problematik nicht zu haben ist. Also allgemeine Schuldenunion aller Staatsschulden der Union ohne vorherige politische Union, weil auf die Schnelle nicht machbar.
    Das ist das Szcenario, auf das man sich vorbereiten sollte.

  • tja, ich hab gerade nicht die de verschuldung priv, staat und wirtschaft im kopf.

    wann einer aushelfen?

  • Blödsinn, Stefano. Die Zinsen einiger Länder sind ein wenig gestiegen, weil die Investoren bei diesen Ländern (völlig zu Recht) Angst haben, ihr Geld nicht wieder zu sehen. So einfach ist das. Dass Politiker aus diesen Ländern dann versuchen, von ihren Fehlern abzulenken, indem sie ominösen bösen Spekulanten die Schuld in die Schuhe schieben wollen, ist weder besonders überraschend noch besonders relevant.

    Der CDS-Markt muss sicherlich ausgemistet und reguliert werden (ebenso wie weite Teile der Finanzindustrie). Die Ursache für die etwas gestiegenen Zinsen bestimmter Länder ist er allerdings nicht, das haben diese Länder ganz allein geschafft, indem sie über Jahre hinweg ihre Glaubwürdigkeit zerstört haben.

  • Herr Fuest hat fast alle Gründe genannt, die gegen Rettungsschirme sprechen. Belegt ist das ganz klar am Beispiel Griechenland. Die Anreize, sich am ESM ohne Auflagen zu bedienen, haben schon Wirkung gezeigt bei allen EURO Ländern, die schon unterstützt werden und bei denen, die gerade Anträge zur Unterstützung vorbereiten. Es gibt de facto heute schon mit den „Regeln auf Rädern“ des ESM eine unbeschränkte Haftung der leistenden EURO Staaten, die zu einer Kollektivpleite im EURO Raum führen oder bei einer EZB Staatsfinanzierung in einer Hyperinflation enden. Die Auflösung der Währungsunion ist dann keine Alternative mehr, die Fakten geben dann automatisch eine Währungsreform mit Auflösung der Währungsunion vor.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%