Gastkommentar
Der Euro war und ist eine Schnapsidee

Den immer weitergehenden Forderungen, die Führungsrolle der Währungsunion zu übernehmen, wird Deutschland nicht mehr gerecht. Daher fordert der Publizist und Historiker Deutschlands Austritt aus der Währungsunion.
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Wer heute durch Europa reist, mit Menschen der verschiedenen Länder der Euro-Zone redet, muss feststellen, dass überwiegend die Einstellung vorherrscht: „Die Deutschen beklagen, in einer Mehrzahl der Staaten werde die erforderliche finanzielle Stabilisierung nicht ernst genommen. Wir hören uns die deutschen Vorwürfe mit gesenktem Haupt an, tuen schuldbewusst, aber nehmen die eigenen Beteuerungen, uns zu ändern, nicht ernst. Denn wir kennen die Deutschen besser als sie sich selbst. Sie meckern zwar, aber am Ende zahlen sie doch - und das können sie auch.“

Leider ist diese Annahme ein Irrtum. Deutschland wäre völlig überfordert mit der Aufgabe, die gesamte Währungsunion zu retten. Nicht nur finanziell, auch politisch sind wir dafür nicht stark genug.

Wir waren immer - und sind es heute erst recht - viel zu schwach, um Europas Hegemon zu sein, eine konstruktive Rolle als Führungsmacht des Kontinents zu spielen. Wir haben am Anfang des vergangenen Jahrhunderts zweimal mit militärischen Mitteln versucht, uns dem Kontinent aufzuprägen, und sind damit gescheitert. Diesmal überschätzt man bei unseren Partnern und Nachbarn unsere finanziellen Möglichkeiten.

Wer hat gesagt, die Währungsunion sei Versailles ohne Krieg? Es ist nicht zu Ende gedacht, nicht wirklich ernst gemeint, wenn wir vom Ausland gedrängt werden, beispielsweise vom sympathischen polnischen Außenminister, jetzt eine Führungsrolle zu übernehmen - diesmal mit Krediten und Garantien. Aber auch diesmal würden wir scheitern. Wir sind viel schwächer als vor hundert Jahren, nur noch eine mittlere Macht. An einer europäischen finanziellen Vergesellschaftung Deutschlands würden wir uns völlig verheben. Diese Überforderung würde zum wirtschaftlichen und sozialen Niedergang führen und damit die Demokratie unterminieren, den Zusammenhalt unserer Gesellschaft zerreißen.

Deutschland muss daher, um immer weitergehende Forderungen abzuwehren, bald aus der Währungsunion austreten. Wir müssten wahrheitsgemäß sagen, so hätten wir uns die Sache nicht vorgestellt. Wir hätten die im Maastricht-Vertrag eingebauten Sicherungen ernst genommen: den Stabilitätspakt, die Unabhängigkeit der EZB, die No-bail-out-Klausel. Damit hätten wir uns offenkundig getäuscht.

Natürlich sollte man zunächst mit einer solchen bisher völlig unerwarteten, für deutsche Politiker fast undenkbaren Initiative nur drohen. Schon das würde die Diskussion sofort verändern. Die deutsche Politik ist allerdings für einen solchen Schritt heute noch viel zu ängstlich. Wir denken ja nicht nur politisch, sondern auch publizistisch und wissenschaftlich über unsere künftige Rolle öffentlich nicht einmal nach. Aber irgendwann werden wir nicht mehr darum herumkommen, uns einen neuen Reim auf uns selbst zu machen.

Kommentare zu " Gastkommentar: Der Euro war und ist eine Schnapsidee"

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  • Aussteigen jetzt? Damit würden die Deutschen unverschildet als Euro und damit als EU-,,Mörder,,in die Geschichte eingehen.Dazu empfele ich ein vertiefteres Beobachten der Vorgänge in der Schweiz.Da muss aktuell mangels Finanzsistemgerechter Alternativen die CH Nationalbank die Realwirtschaft durch Abwertung des Frankens Stützen.Dies durch Aufkauf von EUROS in nicht öffentlich bekannter Menge.Eine vorhersehbare selbstmörderische Zukunftshypoteck.Die gleiche Hypothek droht auch einer zu früh eingeführten neuen DM.Mein Tip Nerfen behalten Mitspieln bis andere Aussteigen resp.der Euro final abstürzt.Nach der Stund Null werden auch Flankierende Massnahmen Rechtlich wieder Möglich zb.Devisen-Kontrollen.Dringend zu empfelen jedoch ist eine bestmögliche Vorbereitung für den Tag X.damit ein möglichst Reibungsloser Übergang zur neuen DM über die Bühne geht.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Wir wissen, dass es jetzt harte Zeiten auf die Griechen zukommen, aber lassen wir sie ihre Angelegenheiten selbst in die Hand nehmen, und entlassen sie aus der Eurozone. Zumindest als Parallelwährung sollten sie die Drachme wieder einführen, um die dann abwerten zu können und wieder exportfähiger zu sein.
    Wenn die Griechen auch nach Neuwahlen immer noch von denjenigen Parteien regiert werden, die mit zu der griechischen Staatsmisere beigetragen haben, und auch in 20 Jahren ihr eigenes System nicht richtig in den Griff kriegen werden, bleiben wir dennoch in Deutschland weiterhin auf der richtigen Straße.
    Ob wir in 20 Jahren noch den Euro, oder die D-Mark oder den Taler in den Händen halten werden? Wahrscheinlich wird der Euro weiterhin Bestand haben. Die D-Mark hatte früher auch ihre Krisen.
    Wozu diese Panikmache? Es wird immer Panikmacher und solche geben, die davon profitieren. Politiker und Banker arbeiten Hand in Hand, wir haben eine Verfilzung von Politik und Wirtschaft.
    Lassen wir uns nicht einreden, Europa würde an den von Menschenhand gezeichneten Landesgrenzen aufbrechen und in einem ewigen Wurmloch verschwinden.. Europa wird es auch in 100 Jahren noch geben.
    Die deutsche Wirtschaft ist und bleibt stark, und das lässt sich durch Zahlen stets belegen, wir sollten daher mit mehr Selbstsicherheit in die Zukunft sehen.

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