Gastkommentar
Die Chinesen drängen nach Europa

Wir befinden uns in einem neuen Übernahme-Zyklus. Trotz der protektionistischen Debatte um Alstom werden viele Käufer aus Amerika und China kommen. Dabei wird es mehr strategische Neuausrichtungen geben. Gut für Anleger.
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Unternehmen haben ihre Gewinne weltweit in den letzten Jahren trotz Abschwung und Rezession erfolgreich behauptet. Ohnehin schon konservative Bilanzen wurden dadurch noch konservativer und sind mittlerweile schlicht ineffizient. Vor diesem Hintergrund werden strategische Fusionen und Übernahmen (M&A) in den kommenden Quartalen aller Wahrscheinlichkeit nach zunehmen.

Den Beginn dieser Entwicklung haben wir kürzlich in der europäischen Telekommunikationsbranche und im Pharmasektor erlebt. Für Aufruhr sorgen jetzt die Überlegungen zu Alstom vor dem Hintergrund nationaler Interessen.

Der politische Imperativ gebietet geradezu, dass Regierungen sich einschalten, um Arbeitsplätze und größtmöglichen Einfluss auf „strategische“ Branchen weiterhin zu sichern. Die damit einhergehende überproportionale Welle der Berichterstattung suggeriert vielleicht, dass nationale oder regionale Deals überwiegen.

Tatsache ist aber, dass wir – neben weiteren regionalen Konsolidierungen – wohl immer mehr Deals sehen werden. Dabei dürften US-amerikanische und asiatische Firmen, bevorzugt aus China, Konkurrenten aus Europa ganz oder in Teilen schlucken.

Besonders bei US-Unternehmen findet sich überschüssige Liquidität in den Bilanzen, die bei Anlegern als unproduktives Kapital verschrien ist. Für diese Unternehmen macht es Sinn, ihre Kapitalallokation zu überdenken und nach Möglichkeiten zu suchen, wie sie ihre Position in der eigenen Branche verbessern können. Das spricht für wohlbedachte Maßnahmen im Sinne einer stärkeren Fokussierung oder Neuausrichtung des Geschäfts. Große Fusionen auf Augenhöhe wie im letzten Zyklus erwarte ich dagegen weniger.

Was sich zurzeit in der Pharmabranche abspielt, verdeutlicht das Interesse an einzelnen Bereichen von strategischer Relevanz: So tauscht Novartis seine Impfstoffsparte gegen das Krebsmittelgeschäft von GlaxoSmithKline und verkauft den Geschäftsbereich Tiergesundheit an Eli Lilly.

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Kommentare zu " Gastkommentar: Die Chinesen drängen nach Europa"

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  • Es ist schon Bemerkenswert, wenn im diesem Lande das eigene Verhalten mit Blindheit geschlagen ist, man aber die Fehler beim Anderen stets zu merken glaubt. Alstrom ist wirtschaftlicher als Siemens, GE ist fast doppelt so wirtschaftlich und ABB beinahe fünfmal besser - as Siemens. Die Chinesen können es also nicht schlechter machen als die Deutschen. Übrigens zahlen die Schweizer locker den bis dreifachen Lohn für Facharbeiter. Die Deutschen sind also nicht so gut weil sie so gut sind, sondern weil sie so schlecht sind. Dumpinglöhne, Ausgrenzung, Aushungern, Ausbeutung, Ausbluten und ein 8.50 Euro Trauermindestlohn (15 Euro müssen es mindestens sein, 2013). Hier sind wir der direkte Konkurrent von China, allerdings China wächst und Deutschland altert - Ideenlos, diese Ideenlosigkeit wird ge-managment und ver-ge-waltet. Siemens ist das Schlechste was Alstrom passieren kann, besser noch China, alles andere ist sowie so besser und ABB ist das Beste für Alstrom. Übrigens der viel beschworene "Technische Vorsprung" ist dem Blindglauben geschuldet, wir rauben, stehlen, spionieren und kopieren mindestens so schlimm wie die Anderen. Die Dynamik der weltweiten Entwicklung nimmt erst an Fahrt auf, Deutschland sehe ich nicht dabei. Warum? Hier wird Anders-Denken, Querdenken, kritisches Denken, etc. bis auf das Blut bekämpft, ausserdem ist "Denken" eine Sache des jungen Alters - der goldene Rest ist "Erfahrung". Real betrachtet, wird nicht -"Gedacht" sondern "Gearbeitet", nicht der Firma, den Gemeinwohl, der Gemeinschaft "Gedient", sondern "Eingeschoben, Beiseite geschafft, sich Bereichert". Frankreich hat eine andere Tradtion, sie Arbeitnehmer freundlicher, als die deutsche (schreibe ich jetzt nicht) nur den "Ersatzbegriff - Obrigkeitshörigkeit". Auch hier ist Alstrom mit allen Anderen (China eingeschlossen - Dank der Entfernung) besser dran. Ich persönlich wünsche Alstrom die richtige Entscheidung.

  • Merkel und dt. Wirtschaft schützen?

    Lächerlich! Bei einem GroKo-Sozialisten als Wirtschaftsminister!!

  • einfache, aber für uns gefährliche Strategie. Chinesische Firmen werden vom Staat subventioniert und kaufen dann nicht subventionierte Firmen in Europa und vor allem in Deutschland. Langfristiges Ziel ist es offensichtlich die Märkte in allen Bereichen zu dominieren. In Europa wird die beinahe einzige Ressource "Vorsprung durch Technik" verschleudert. Der Neokapitalismus von Frau Thatscher hat genau dies für England ganz schnell erreicht. China hat zudem die Möglichkeit beispielsweise die gesamte Autobranche
    durch Importrestriktionen oder "by local Parolen" über Nacht zu entmachten. Unser Don Quijote aus Bayern, welcher gerade wieder gegen die Windräder kämpft, freut sich schon auf chinesischen Tourismus in Neuschwanstein. Die Welt verändert sich schneller als unsere Politiker denken. Nichts machen ist falsch - schützen Sie unsere Wirtschaft Frau Merkel!

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