Gastkommentar
Neue Technologien nutzen

Seit Monaten erklären uns die Klimaforscher deutlicher als je zuvor, was jetzt zu tun ist: schnell die Treibhausgasemissionen senken, die Energieeffizienz spürbar steigern und den Anteil erneuerbarer Energien stark erhöhen.
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Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat deshalb heute führende Vertreter aus Wissenschaft und Wirtschaft zum Klima-Forschungsgipfel nach Berlin eingeladen.Wir präsentieren dort die High-Tech-Strategie zum Klimaschutz – ein umfassendes Konzept dafür, wie sich die Forschung am besten im Kampf gegen den Klimawandel nutzen lässt. Denn eines wird in der Debatte über den besten Weg im Klimaschutz immer deutlicher: Wenn wir erfolgreich sein wollen im Kampf gegen höhere Temperaturen und steigende Meeresspiegel, dann können wir nicht auf das Potenzial neuer Technologien verzichten.

Noch ist diese Tatsache zu wenigen Menschen bewusst. Vielen bedeutet Klimaschutz vor allem, ihr Verhalten zu ändern, Verzicht zu üben und damit einen Teil ihrer Freiheit aufzugeben. Diese Sichtweise lässt außer Acht, welche Chancen in neuen Technologien liegen. Sie können helfen, Energie effizienter zu erzeugen, den Verbrauch spürbar zu senken und uns an den Teil des Klimawandels besser anzupassen, der nicht mehr zu vermeiden ist. Wir können also unsere guten Lebensbedingungen erhalten, wenn wir jetzt die richtigen Weichen stellen. Dabei ist Klimaschutz auch eine Chance für die Wirtschaft: Die Industrie in Deutschland muss in Sachen Klima eine Vorreiterrolle übernehmen.

Im Kampf gegen den Klimawandel dürfen wir nicht verzagt sein, sondern sollten den Mut für große Schritte haben. So muss zum Beispiel Energie langfristig in Kraftwerken erzeugt werden, die fast keinen Ausstoß von Treibhausgasen mehr erzeugen. Deshalb ist es wichtig, dass wir nicht nur bestehende Technologien weiterentwickeln, sondern auch neue Ideen zur sauberen Erzeugung von Energien fördern. So sollten Autos langfristig ohne umweltschädliche Abgase auskommen. Hierfür sind Forschungen zum Thema Wasserstoff entscheidend.

Bei der Umsetzung unserer Visionen setzen wir auf die High-Tech-Strategie zum Klimaschutz: Ihre Stärke besteht in einer besonders engen Zusammenarbeit von Partnern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Auf dem Klima-Forschungsgipfel werden wir zum Beispiel Innovationsallianzen vorstellen, die sich zu bestimmten zentralen Themen zusammengefunden haben. Die ersten vier dieser Innovationsallianzen stehen in den Startlöchern: Eine Allianz beschäftigt sich mit der Weiterentwicklung von organischen Materialien für Fotovoltaik – also der Umwandlung von Sonnenenergie in Strom. Diese organischen Materialien sind interessante Alternativen zu dem bislang weitgehend in der Fotovoltaik eingesetzten Silizium. Ziel der Allianz sind biegsame, leichte und kostengünstige Solarzellen. Forscherteams in Deutschland sind auf diesem Gebiet führend, für die Wirtschaft eröffnen sich weltweit neue Absatzchancen.

Eine weitere Allianz konzentriert sich auf Forschungen zur Speicherung von elektrischer Energie. Hintergrund: Elektrofahrzeuge und Energiespeicher für regenerative Stromerzeugung, wie zum Beispiel Windkraftanlagen, stellen immer größere Anforderungen an die Technik. Weil herkömmliche Batterien sich nicht einfach vergrößern lassen, sind neue Batterietypen gefragt. Die Forscherteams setzen hier auf die Weiterentwicklung der Lithium-Ionen-Batterie.

Zwei weitere Innovationsallianzen konzentrieren sich auf den Autoverkehr. Bei einer der Allianzen geht es um die Elektronik. Der Kerngedanke: Wenn die einzelnen Fahrzeugkomponenten noch besser aufeinander abgestimmt sind, kann auf diese Weise der Verbrauch weiter gesenkt werden. Mit einem weiteren Weg des Spritsparens beschäftigt sich die vierte der nun startenden Innovationsallianzen: Indem die Fahrzeuge automatisch miteinander kommunizieren, soll der Verkehrsfluss flüssiger werden. Diese Innovationsallianzen konzentrieren sich ganz auf die praktische Umsetzung der für den Klimaschutz wichtigen Forschungsthemen. Sie werden die Technologieentwicklung auf ihren Gebieten gezielt vorantreiben. Sie leisten damit im Übrigen nicht nur einen wichtigen Beitrag für einen wirksamen Klimaschutz, sie stärken gleichzeitig den Forschungs- und Industriestandort Deutschland.

Die High-Tech-Strategie bedeutet auch: Staat und Wirtschaft ziehen an einem Strang. Dabei haben wir ein klares Ziel vor Augen: Gibt der Staat einen Euro mehr für Forschung und Entwicklung aus, dann ziehen die Unternehmen mit fünf weiteren Euro nach. Bei den ersten vier Innovationsallianzen werden wir diesen Faktor sogar noch übertreffen: Das Bundesforschungsministerium wird hierfür insgesamt 220 Millionen Euro zur Verfügung stellen, die Industrie hat 1,2 Milliarden Euro zugesagt.

Die Forschung für den Klimaschutz geht jedoch weit über die Arbeit dieser Allianzen hinaus. Klimaschutz und Klimaforschung sind bereits seit langem etablierte Förderschwerpunkte des Ministeriums, die derzeit kräftig ausgebaut werden. Die Forschung ruht dabei auf zwei Säulen: Zum einen werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Technologien entwickeln, die den Ausstoß von Treibhausgasen senken. Zum anderen geht es um Technologien, die uns helfen, uns an den zum Teil ja gar nicht mehr vermeidbaren Klimawandel anzupassen.

Um Emissionen zu verringern, spielen Technologien zum Abscheiden und Speichern von Kohlendioxid eine zentrale Rolle. Dieser Forschungsbereich hat ein riesiges Potenzial. Deshalb wird die Bundesregierung gemeinsam mit zahlreichen Partnern aus der Energiewirtschaft die technische und wirtschaftliche Machbarkeit dieser Technologien demonstrieren.

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