Gastkommentar
Partner China

Von Montag bis Mittwoch nächster Woche wird Bundeskanzlerin Merkel mit einer Wirtschaftsdelegation China besuchen. Die deutschen Erwartungen an die Reise sind hoch.
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Wir wollen uns mit den Chinesen als Partner über globale Herausforderungen verständigen. Dazu gehören der Klimawandel, internationale Rohstofffragen, globale Rahmenbedingungen für Innovation und der Schutz geistigen Eigentums – alles Themen von größter Relevanz für China ebenso wie für unser Land.

Es ist kein Zufall, dass diese Themen auch die deutsche G8-Präsidentschaft stark prägen. Uns liegt sehr daran, China als gleichberechtigten Partner in diese Diskussion einzubeziehen und in die internationale Gemeinschaft einzubinden, mit allen Rechten, aber auch allen Pflichten. Wir wollen die deutsch-chinesische Partnerschaft – Fundament für den Erfolg vieler großer und mittelständischer Unternehmen in China – weiter ausbauen. Denn deutsche Unternehmen sind in China stark vertreten und profitieren vom Wachstum Chinas. Wir wollen mit China Lösungen finden für die Gestaltung einer gemeinsamen Zukunft.

Die in Asien engagierten deutschen Unternehmen, allen voran der Asien-Pazifik-Ausschuss mit seinem Vorsitzenden Jürgen Hambrecht, sind der festen Überzeugung, dass China für uns große Chancen bereithält. China als Bedrohung anzusehen verstellt den Blick auf das, was erforderlich ist, um mit den Herausforderungen erfolgreich fertigzuwerden: Mut zur Innovation hier in Deutschland und förderliche Rahmenbedingungen für Unternehmen und Arbeitsplätze im eigenen Land. Wir sind ein offenes Land und haben eine leistungsstarke und international wettbewerbsfähige Wirtschaft. Wir profitieren davon alle in Deutschland. Das soll auch so bleiben.

Deshalb verstehen wir die Anliegen der deutschen Wirtschaft nicht als Beschwerdekatalog, sondern als Beiträge zur besseren Zusammenarbeit. Ohne Frage vertreten wir offensiv und nachdrücklich die Interessen der deutschen Wirtschaft. Deutsche Technologie muss im Ausland wie zu Hause geschützt werden. Innovative Unternehmen müssen sich ohne Regelungen zur „freiwilligen“ Technologieübertragung an chinesische Partner entfalten können. Standards und Zertifizierungsprozesse sollten international möglichst einheitlich geregelt werden, auch um die Sicherheit und Zuverlässigkeit von Produkten zu gewährleisten. Die Rohstoffmärkte müssen frei gehalten werden von politisch motivierten Eingriffen.

Meine intensiven Gespräche mit chinesischen Unternehmern zeigen mir, dass wir viele Ähnlichkeiten haben: Auch die innovativen chinesischen Unternehmen haben ein starkes Interesse daran, ihre Technologien in China und international zu schützen. Das Bild vom chinesischen Kleinunternehmen, das sich mit Marken- und Produktpiraterie durchschlägt, deckt längst nicht das gesamte Spektrum der chinesischen Wirtschaft ab. Hier sind hochinnovative und technologieintensive Unternehmen entstanden, die Wettbewerber auf den Weltmärkten werden, mit denen wir aber auch langfristig zusammenarbeiten wollen.

Allen ist bewusst, dass China vor enormen Herausforderungen steht, insbesondere in den Bereichen Umwelt und Soziales. Hier liegen Probleme, bei denen deutsche Unternehmen sich zum beiderseitigen Nutzen einbringen können. Deutsche Industrieunternehmen und die industrienahen Dienstleister haben eine führende Stellung in der Integration des Umweltschutzes in sämtliche Prozesse, vom Produktdesign angefangen bis zur Entsorgung nicht mehr verwertbarer Reststoffe. Wir sind auch führend in der Einsparung von Energie und Rohstoffen und wollen in diesen Feldern mit chinesischen Unternehmen zusammenarbeiten.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit leistet dabei einen wichtigen Beitrag. Erstens wird China beim Umwelt- und Klimaschutz unterstützt durch Umweltpolitikberatung, Verbesserung der Energieeffizienz oder der nachhaltigen Forstwirtschaft. Zweitens leistet die Entwicklungszusammenarbeit einen wichtigen Beitrag bei der Stärkung marktwirtschaftlicher Elemente in China, etwa beim Ausbau des Rechtssystems und beim Schutz geistigen Eigentums. Drittens trägt der entwicklungspolitische Dialog dazu bei, China stärker in die globale Verantwortung einzubinden, auch im Hinblick auf das Engagement Chinas auf den Rohstoffmärkten Afrikas.

China wird seine Herausforderungen meistern. Das Land hat unter Beweis gestellt, dass es auf internationale Kooperation setzt und an Problemlösungen gemeinsam mit seinen Partnerländern interessiert ist. Darin liegen aus meiner Sicht große Chancen für die Zusammenarbeit mit dem Partner China in allen Bereichen. Und natürlich für die deutsche Wirtschaft.

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