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Gastkommentar: Und zuletzt lacht Obama

Vor der US-Präsidentschaftswahl stehen alle Zeichen gegen den amtierenden Barack Obama. Doch seine republikanischen Kontrahenten können daraus kein Kapital schlagen. So könnte Obama zum unverdienten Wahlsieger werden.

Josef Joffe ist Herausgeber der Wochenzeitung „Zeit“. Quelle: picture-alliance / ZB
Josef Joffe ist Herausgeber der Wochenzeitung „Zeit“. Quelle: picture-alliance / ZB

Eigentlich müssten die Amerikaner Barack Obama in zehn Monaten aus dem Weißen Haus verjagen. Aber die Wette gilt, dass der Präsident eine zweite Amtszeit schaffen wird. Wie ist das möglich?

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Beginnen wir mit den schlechten Nachrichten. Die klassischen Indikatoren weissagen, dass Obama ein „one-term president“ sein wird wie einst Jimmy Carter, der in einer ähnlichen Situation – miese Wirtschaftslage, außenpolitische Verluste – 1980 haushoch gegen den Republikaner Ronald Reagan verlor. Die Hälfte des Wahlvolks gibt Obama schlechte Zensuren für seine Amtsführung – Tendenz steigend. Historisch gesehen, ist diese Quote ein übles Menetekel. Schlimmer noch: Mehr als 70 Prozent sehen das Land auf dem falschen Weg; dass es der richtige sei, glaubt weniger als ein Viertel.

Und jetzt die Überraschung. Nachdem die Republikaner mit allen möglichen Kandidaten geflirtet haben – mit der Rechtsauslegerin Michele Bachmann, mit Konservativen wie Rick Perry und Herman Cain –, bleiben nur noch zwei im Rennen: Mitt Romney und Newt Gingrich. Doch Obama liegt in den Umfragen vor beiden: knapp vor Romney, dem Ex-Gouverneur von Massachusetts, und mit acht Prozentpunkten vor dem ehemaligen Sprecher des Unterhauses, Newt Gingrich.

Das Paradox schreit nach Erklärung. Die Stimmung ist mies, die Wirtschaft liegt am Boden, und dies seit Anbeginn der Obama-Regentschaft 2009. Das Defizit klafft, die Staatsschuld wächst, die Arbeitslosigkeit rührt sich kaum vom Fleck. Alle Daten summieren sich zur kommenden Niederlage von Obama, und doch schwimmt der gegenüber Romney und Gingrich obenauf.

Das „Warum?“ hängt an den beiden Personen. Ganz knapp: Romney, der Mann der Mitte, der gerade mal einen Punkt hinter dem Präsidenten liegt, hätte eine echte Chance, aber er begeistert die Basis nicht; deshalb haben die Republikaner in den letzten Monaten so verzweifelt nach einem anderen gesucht. Der neue Shootingstar Gingrich, der sein Herz auf dem richtigen, das heißt rechten, Fleck trägt, ist gut für die Seele der Stammwähler, verschreckt aber das Wahlvolk. Parteienpolarisierung hin oder her, der Schwerpunkt der Wählerschaft bleibt fest in der Mitte einbetoniert.

Genauer: Die alles entscheidenden Wechselwähler – „independents“ genannt – mögen Gingrich nicht: zu radikal seine Sprüche, zu irrlichternd seine Meinungen. Die Hälfte der Wechselwähler optiert denn auch für Obama, für Gingrich tut das gerade mal ein Viertel. Warum diese rätselhaften Independents so wichtig sind? Sie haben sich 2008 für Obama entschieden, in den Kongresswahlen von 2010 aber für die Republikaner. Sie werden auch den Wahlausgang von 2012 bestimmen, und ihre Zahl wächst, wie die jüngste Analyse des „Third Way“, einer Gruppierung moderater Demokraten, zu berichten weiß.

  • 23.12.2011, 04:43 UhrStubi

    Der Autor hat leider so recht. Es ist einfach unglaublich, welch unfaehige Kandidaten als Gegner antreten. Witzfiguren oft. Manchmal denke ich, die Lobbys wollen genau solche schwachen Leute, um sie leichter beeinflussen zu koennen. Leute mit Eigendynamik waeren da rasch unbequem.

  • 23.12.2011, 01:41 UhrAnonymer Benutzer: Erdenbuerger

    Und was ist mit Ron Paul? Der einzige Kandiat, der scheinbar überhaupt irgendwas verstanden hat, wird wieder ignoriert. Dieser mediale blackout ist schon sehr sonderbar, beinahe unheimlich....

    *Vote Ron Paul*

  • 23.12.2011, 00:44 UhrAnonymer Benutzer: alfman1961

    erbärmlich wie immer diese system-medien.
    über die nr1 bei den polls in Iowa wird nicht gesprochen.
    aber egal, diese ignoranz und gekaufte einseitigkeit bleibt immer weniger menschen verborgen.
    go Ron Paul go

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