Kommentare

_

Gastkommentar : „Weidmanns Wahrheit greift zu kurz“

Bundesbankpräsident Jens Weidmann beklagt die Kreditvergabe an Krisenstaaten. Dabei müsste er dubiose Finanzderivate, virtuose Bilanzkosmetik und eine viel zu lasche Bankenregulierung kritisieren.

von Sahra Wagenknecht
Sahra Wagenknecht kritisiert den Präsidenten der Bundesbank, Jens Weidmann. Quelle: dapd
Sahra Wagenknecht kritisiert den Präsidenten der Bundesbank, Jens Weidmann. Quelle: dapd

BerlinDer Präsident der Bundesbank, Jens Weidmann, kritisiert die Banken. Der Währungshüter – ein verkappter Occupy-Aktivist? Nein, er kritisiert nicht etwa dubiose Finanzderivate, die bei der Deutschen Bank als tickende Zeitbomben das haftende Eigenkapitals noch heute nominal um das gut Tausendfache übersteigen. Er mosert nicht über die virtuose Bilanzkosmetik, mit der sich nicht wenige Institute auf Basel-III gedopt haben – überflüssige Mühe, da das Regelwerk vorerst wohl nicht in Kraft treten wird. Er beschwert sich auch nicht über die selbst nach Basel III viel zu lasche Regulierung, die das wuchernde Schattenbankensystems und dessen Verflechtung mit den Geschäftsbanken eher noch verstärkt hat. Das alles bewegt Herrn Weidmann nicht. Er beklagt die Kreditvergabe an Krisenstaaten.

Anzeige

Staatsanleihen im Wert von etwa 1,6 Billionen Euro befinden sich in den Tresoren von Euro-Banken. Es ist richtig: Diese würden erheblichen Risiken unterliegen, wenn Euro-Staaten Pleite gingen. Weidmann will Banken daher im Zuge der Basel-Reformen zwingen, Staatsanleihen mit Eigenkapital zu unterlegen. Staatskredite würden so erheblich teurer werden.

Sahra Wagenknecht ist erste stellvertretende Vorsitzende der Fraktion „Die Linke“ im Deutschen Bundestag. Quelle: dpa
Sahra Wagenknecht ist erste stellvertretende Vorsitzende der Fraktion „Die Linke“ im Deutschen Bundestag. Quelle: dpa

Weidmann berührt wichtige Punkte: Den „teuflischen Pakt zwischen Staaten und Banken“ (Spiegel) und die Möglichkeit eines Staatsbankrotts. Banken leihen sich zu gegenwärtig 0,75 Prozent Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) und verleihen es zu bis zu acht Prozent an Krisenstaaten. Das ist ein tolles Geschäft und eine Lebensversicherung für Schrottbanken. Denn selbst Staatsanleihen von überschuldeten Staaten bleiben im Rahmen der Notfallkredite notenbankfähige Sicherheiten.

So sichern sich marode griechische Banken ihre Liquidität. In der Finanzszene kursiert der Witz, im Notfall würde die griechische Zentralbank auch Bürostühle als Sicherheit akzeptieren. Zudem hat die EZB angekündigt, den privaten Gläubigern in unbegrenzter Höhe Staatsanleihen abzukaufen, wenn sich die Staaten dem Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) unterwerfen. Die betreffenden Länder wiederum werden mit Kürzungspaketen in die Depression getrieben und brechen unter der Schuldenlast und den hohen Zinsen ein.

  • 04.01.2013, 09:53 UhrREALIST

    Antwort an na_ja
    Sie sind empört das dieser Artikel seit einer Woche auf der Titelseite ist und bezeichnen seinen Inhalt als Unsinn : Ihnen gefällt nicht das man anderer Meinung sein kann als die ihrige und das einmal eine politische Analyse einer Anhängerin der Linken sachlich und moderat sein kann .In dem Artikel von Wagenknecht erkenne ich keine sozialistische oder kommunistische Propaganda sondern eine einfache Aussage für eine regulierte Sozialmarkwirtschaft .Hören sie sich nochmal die Neujahrsansprache von Angela Merkel an :"die Konsequenzen der Finanzkrise von 2008 sind noch nicht gezogen worden" .Angela Merkel, eine gefärhliche Linksextremistin ????

  • 02.01.2013, 09:09 Uhrna_ja

    Ein echter Volltreffer für Frau Wagenknecht.

    Während wirklich gute Artikel hier auf Handelsblatt online oft schon nach Stunden von der Titelseite verschwunden sind, hat sie es geschafft, ihre unsinnigen Parolen nun fast eine Woche lang auf der Titelseite zu halten.

    Das nenne ich Medienkompetenz...

  • 01.01.2013, 01:54 UhrDemokratin

    Ihre Bemerkungen @Bauernfaenger kann ich nicht ernst nehmen! Im Gegensatz zu Ihnen, dem Wessi, haben die Ossis in der Schule gelernt wie Kapitalismus funktioniert und ich sogar als aufmerksamer Beobachter, dass der Besitz an Grund und Boden, dieses Hierarchie (auch zu DDR-Zeiten) immer irgendwann den Untergang hervorruft. Das Geldsystem mit seinem Zinseszins immer zu Katastrophen, sprich Kriegen geführt hatte. Und so wird es auch wieder kommen! Ich gebe dem ganzen sinnlosen Spiel der verkommenen Eliten keine 20 Jahre mehr, dann werden wir einen 3.WK haben!! Bürgerkrieg schon bald. Da die Armut und der Sozialabbau immer mehr zunehmen wird. Oder warum glauben sie stehen die Rechtsextremen wieder auf der Matte und ist die braune Soße in D wieder da?! Weil wir genau den gleichen Zusammenbruch des Kapitalismus haben wie 1929!!! Die Bürgerliche Mitte und die Industriellen mit den Politikern den Rechtsextremismus befördern. Da das Kapital ja nicht verstaatlicht werden will. Dieses Wirtschaftssystem kann sich nur durch Zerstörung und Neuaufbau halten!! Das alles hatte schon Silvio Gesell 1916 erkannt und er mit seiner Vorhersage des 2.WK Recht behalten!! Sogar die Kirche hatte einstmal den Zinseszins verboten!

    So, nun schlafen Sie weiter und erfreuen sich an Ihrem elektronischen Spielgeld und ihrem Grund und Boden, den Sie ev. besitzen. Wird Ihnen u.a. bald alles nichts mehr nützen, da der 3. WK noch katastrophaler sein wird als je zuvor. Wir befinden uns in einem globalen Zusammenbruch der Volkswirtschaften!! Das bedeutet das Ende der Zivilistaion oder eben 3.WK!!

    Und nebenbei bemerkt...Die DDR haben wir je bereits wieder :) auch wenn man hier seine Meinung kund tun darf. Darüber lachen doch nur die Eliten. Solange die D nicht auf die Straße gehen, tut das doch keinem weh. Und Tacheles haben auch wir Ossi gesprochen. Ihr Wessis habt eben auch noch nie die Wahrheit gesagt bekommen und wurdet genauso ideologisch verblödet wie die Ossis. Ausnahmen gab es hüben wie drüben.

  • Kommentare
Kommentar: Nie wieder Banken retten!?

Nie wieder Banken retten!?

Mit Steuermilliarden mussten Pleitebanken wie Northern Rock gerettet werden. Die heute gegründete Bankenunion soll das ein für alle Mal beenden. Uns Steuerzahlern werden Pleitebanken dennoch weiter auf der Tasche liegen.

Kommentar: Ruandas Boom hat seinen Preis

Ruandas Boom hat seinen Preis

Ruanda gilt 20 Jahre nach dem Völkermord als Afrikas Vorzeige-Ökonomie. Hohes Wachstum, moderne Infrastruktur, niedrige Kriminalität – das Land macht eine erstaunliche Entwicklung durch. Doch die hat ihre Schattenseiten.

  • Kolumnen
Der Ver(un)sicherer: Wenn das Kollektiv implodiert

Wenn das Kollektiv implodiert

Wer eine private Krankenpolice hat, muss mit steigenden Beiträgen rechnen. Tarife mit einem hohen Anteil gesunder Mitversicherter sind dabei kostengünstiger. Was Versicherten in schlechten Tarifen droht.

Der Werber-Rat: Rasenmähen mit Monogramm

Rasenmähen mit Monogramm

Viele Kollegen glauben, unser Berufsstand werde unter Wert verkauft. Ich aber bin von ganzem Herzen Werber, denn es ist ein wunderbarer Job, in dem man viel bewegen kann. Was den Reiz des Berufes ausmacht.

Der Werber-Rat: Die beiden Seiten des Kekses

Die beiden Seiten des Kekses

Eine US-Kekswerbung, die unkonventionelle Familienkonzepte zeigt, sorgt derzeit für Erregungspotenzial. Wenn Werbung Shitstorm und zugleich eine Begeisterungswelle auslöst, muss sie wohl einen Nerv getroffen haben.

  • Gastbeiträge
Gastbeitrag zur Bankenunion: „Feuer frei für alle Raubritter“

„Feuer frei für alle Raubritter“

Auf unseren Beitrag „Nie wieder Banken retten?!“ haben sich zahlreiche Leser gemeldet. Stellvertretend für viele andere schreibt der Vorstand einer Genossenschaftsbank, warum die Bankenunion die Falschen belastet.

Gastbeitrag Klaus Schuster: „Frauen bringen die Sache voran, Männer ihre Karriere“

„Frauen bringen die Sache voran, Männer ihre Karriere“

Klaus Schuster berät, coacht und trainiert Topmanager und junge Talente aller Branchen und Bereiche. In einem Gastbeitrag schreibt er über schlechtes Management und den kleinen Unterschied zwischen den Geschlechtern.

Gastbeitrag zur IWF-Tagung: Keine Angst vor der Fed

Keine Angst vor der Fed

Das absehbare Ende der Niedrigzinspolitik in den USA sorgt in den Schwellenländern für Unruhe. Doch es bietet auch Chancen. Wenn die Schwellenländer ihre Strukturprobleme lösen, wird die Weltwirtschaft stabiler.

  • Presseschau
Presseschau: KfW schrumpft für die Konkurrenz

KfW schrumpft für die Konkurrenz

Der Gewinn der Bank KfW ist im vergangenen Jahr eingebrochen. Hinter der vermeintlich schlechten Nachricht verbergen sich aber positive Signale. Die KfW schrumpft für die Konkurrenz. Die Wirtschaftspresse begrüßt das.