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„Weidmanns Wahrheit greift zu kurz“

Gastkommentar
„Weidmanns Wahrheit greift zu kurz“

Bundesbankpräsident Jens Weidmann beklagt die Kreditvergabe an Krisenstaaten. Dabei müsste er dubiose Finanzderivate, virtuose Bilanzkosmetik und eine viel zu lasche Bankenregulierung kritisieren.
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BerlinDer Präsident der Bundesbank, Jens Weidmann, kritisiert die Banken. Der Währungshüter – ein verkappter Occupy-Aktivist? Nein, er kritisiert nicht etwa dubiose Finanzderivate, die bei der Deutschen Bank als tickende Zeitbomben das haftende Eigenkapitals noch heute nominal um das gut Tausendfache übersteigen. Er mosert nicht über die virtuose Bilanzkosmetik, mit der sich nicht wenige Institute auf Basel-III gedopt haben – überflüssige Mühe, da das Regelwerk vorerst wohl nicht in Kraft treten wird. Er beschwert sich auch nicht über die selbst nach Basel III viel zu lasche Regulierung, die das wuchernde Schattenbankensystems und dessen Verflechtung mit den Geschäftsbanken eher noch verstärkt hat. Das alles bewegt Herrn Weidmann nicht. Er beklagt die Kreditvergabe an Krisenstaaten.

Staatsanleihen im Wert von etwa 1,6 Billionen Euro befinden sich in den Tresoren von Euro-Banken. Es ist richtig: Diese würden erheblichen Risiken unterliegen, wenn Euro-Staaten Pleite gingen. Weidmann will Banken daher im Zuge der Basel-Reformen zwingen, Staatsanleihen mit Eigenkapital zu unterlegen. Staatskredite würden so erheblich teurer werden.

Weidmann berührt wichtige Punkte: Den „teuflischen Pakt zwischen Staaten und Banken“ (Spiegel) und die Möglichkeit eines Staatsbankrotts. Banken leihen sich zu gegenwärtig 0,75 Prozent Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) und verleihen es zu bis zu acht Prozent an Krisenstaaten. Das ist ein tolles Geschäft und eine Lebensversicherung für Schrottbanken. Denn selbst Staatsanleihen von überschuldeten Staaten bleiben im Rahmen der Notfallkredite notenbankfähige Sicherheiten.

So sichern sich marode griechische Banken ihre Liquidität. In der Finanzszene kursiert der Witz, im Notfall würde die griechische Zentralbank auch Bürostühle als Sicherheit akzeptieren. Zudem hat die EZB angekündigt, den privaten Gläubigern in unbegrenzter Höhe Staatsanleihen abzukaufen, wenn sich die Staaten dem Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) unterwerfen. Die betreffenden Länder wiederum werden mit Kürzungspaketen in die Depression getrieben und brechen unter der Schuldenlast und den hohen Zinsen ein.

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„Weidmanns Wahrheit greift zu kurz“

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Die nötigen Maßnahmen

Kommentare zu "„Weidmanns Wahrheit greift zu kurz“"

Alle Kommentare
  • Ich gebe es ja ungern zu, aber sie hat in diesem Punkt Recht.
    Die Finanzderivate werden immer noch oder auch mit Absicht verkannt und geheiligt, um Wachstum zu erzeugen.
    Nur wenn die Normalen EU Staatsbürger die Wetten auch als solche erkennen, kommt der Wechsel. Wer kennt schon den Unterschied zwischen
    Derivate = ETF's = Wetten = TOTO
    oder
    Aktien und Fonds = Sondervermögen = Gold = Immobilien?
    Nicht mal jeder 10te Kunde und 2te Bänker. Also, klärt die Leute auf, worauf Sie sich einlassen, damit Sie Ihr Risiko selbst einschätzen können. Welcher der konservativen und liberalen Politiker nennt denn mal endlich Ross und Reiter?
    Lehmann² kommt, die Frage ist nur wann?
    ein Liberaler

  • Frau Wagenknecht hat mehr Sachverstand, als der ganze Sauhaufen der Schwarz-Gelben Regierung.

  • "Der Finanzsektor hat die hohe Staatsverschuldung freiwillig finanziert"- wer denn sonst? Selten so einen dümmlichen Kommentar gelesen. Schade, dass das HB sich für so etwas hergibt. Dabei über sieht Frau W. auch, dass die Hauptgläubiger des Staates dessen Bürger sind, die letzlich auch den Löwenateil der Staatsschulden komsumiert haben. Es geht schlicht am Wesentlichen vorbei, hier auf "die Banken" zu zeigen. Man sollte auf die Bürger zeigen und insbesondere diejenigen, die die Sozialleistungen in Anspruch nehmen und nicht die, die die Staatsschulden finzieren und deren Ausfallrisiko tragen.

  • Ich würde zu gerne sehen wie die gelernte Philosophin Wagenknecht nach Griechenland fährt und mit dem dortigen Linken-Chef verkündet dass es zukünftig gemäß ihrem Willen nur noch EU-Gelder gibt wenn in Griechenland "ordentlich" besteuert wird.

    Und richtig. Der griechische Staat KANN notwendige Investitionen tätigen. In der Realität verteilt er die Gelder aber lieber unter seinen Fakelaki- Beamten.

  • Es gibt Aufklärung. Beispielsweise hier: http://www.nachdenkseiten.de/?p=13768#h06. Leider verstehen das Problem vor allem die nicht, die es lösen könnten, die Politiker und Regulierer/Aufseher. Wer es versteht, der hält lieber den Mund,sont wäre klar, daß der deutsche Banken-Primus eigentlich längst pleite ist. Aber auch "too big to rescue", zu groß, um gerettet zu werden. Also wird so lange es geht, mit angeblichen Rettungspaketen für notleinde Staaten in Wirklichkeit den notleidenden Banken unter die Arme gegriffen. Auch etwas, was höchstens 1% versteht.

  • Die LINKE - und somit auch Wagenknecht - haben das große Problem, das Finanzwesen nicht verstanden zu haben. Sie sind immer noch in den Fußstapfen ihrer "Vordenker" aus dem 19. Jahrhundert und können nicht über den Tellerrand schauen.

    Ein Teil der Analyse ist richtig - aber die wesentlichen Ursachen können nicht erkannt werden; das ist die Wahrnehmungseinschränkung, die diese Ideologie eben als Preis hat.

    Schön wäre es, wenn die Wagenknecht mal was von den Austrians läse - aber das ist wohl zu viel verlangt. Schade, daß das HB solchem Gequirle von Klassenkampfattitüden solchen Raum gibt.

  • Die meisten europ. Banken haben Staatsanleihen der sog. "PIIGS" auf ein Minimum reduziert,ob DBK,Coba,BNP,SogGen etc..Jetzt halten ital.Anleihen vor allem ital.Institute,span.vor allem Span. usw... .Als ehemaliger leidgeprüfter Bankaktionär,der regelmäßig mit den IR-Abteilungen der einz.Institute in Kontakt stand weiß ich das.Insofern haben die Banken in vorauseilenden Gehorsam gehandelt-Weidmann müsste das eigentlich wissen,dafür ist er da und nicht nur ich als ganz kleiner Privatanleger.Der nächste Stresstest wird änhliches zu Tage fördern.
    Das ist weniger das Problem,das Problem sind Niedrigzinsen verordnert durch die EZB, mangelnde Anlagealternativen durch zwei geplatzte Superblasen innerhalb von 12 Jahren sowie vor allem beträchtliche Überkapazitäten in der Branche,da ein Gesundschrumpfen,auch von der Politik, immer wieder verhindert oder zumindest hinaus gezögert wurde.

  • Ich als konservativer Wähler bin ja wirklich kein Freund der LINKEN, aber vor Frau Wagenknecht habe ich hohen Respekt. Ihre Thesen und Aussagen sind voller Substanz und sehr tiefgründig.
    Ihre politischen Schlüsse kann man mögen oder nicht, mir ist nur wichtig dass Politiker Substanz in sich haben diese zum Wohle des Volkes einsetzen. Das Gegenbeispiel ist die FDP: Alles Luftpumpen ohne Substanz

  • Ich bin schockiert, dass eine Kommunistin in einer der führenden Wirtschaftszeitungen Deutschlands eine Plattform für ihre Forderungen bekommt. Das ist Ideologie völlig an der Realität vorbei. Vor allem handelt es sich in den Ausführungen vorrangig um Populismus! Die zunhemende Wirtschaftsfeindlichkeit in Deutschland ist erschreckend. Und nun macht auch noch das Handelsblatt mit. Gute Nacht Deutschland - aber vielleicht will das Handelsblatt nur dem Weg der FTD folgen!

  • Sarah Wagenknecht hat m.E. natürlich Recht! Allerdings geht auch sie nicht das Grundübel an: Die Geldschöpfung aus dem Nichts der Geschäftsbanken. Die Blasen auf den Märkten dieser Welt sind allein darauf zurückzuführen. Zudem verhindert es geradezu die Bildung von realen Preisen. Ich gehe so weit zu behaupten, dass wir in vielen Bereichen überhaupt keine funktionierenden Marktmechanismen mehr haben. Da muss man ran. Deshalb freut mich das hier besonders:
    Der IWF hat jetzt gerade eine Studie zum Vollgeldsystem veröffentlicht. Die positiven Effekte sind nach den Aussagen der Autoren gewaltig.
    Nachzulesen bei Zeit-Online: "Vollgeld: IWF-Forscher wollen Bankgeschäfte radikal einschränken"
    Siehe auch "Monetative", Bernd Senf, Prof. Binswanger, etc.

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