Gastkommentar
Zeit für ein Euro-Sabbatical

Die Euro-Krisenländer müssen ihre Preise drastisch senken, um wieder wettbewerbsfähig zu werden. Andernfalls bleibt ihnen nur die Möglichkeit eines temporären Austritts aus der Euro-Zone.
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Unter erheblichem Druck von außen ringen sich die Krisenländer des Euro-Raums zu schmerzlichen Einschnitten beim Staatsetat durch. Gehälter werden gekürzt, und Staatsbedienstete werden entlassen, um die Neuverschuldung auf ein erträgliches Maß zu senken. Und doch verbessert sich die Wettbewerbsfähigkeit nicht.

Die neuesten Eurostat-Zahlen zur Entwicklung des Preisindexes der selbst erzeugten Waren (BIP-Deflator) zeigen in den meisten Krisenländern keinerlei Tendenz zur realen Abwertung. Eine reale Abwertung durch Senkung der Preise gegenüber den Wettbewerbern im Euro-Raum ist aber das einzige Mittel, Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen. Auch eine Senkung der Lohnstückkosten durch Produktivitätszuwächse kann die Wettbewerbsfähigkeit nur in dem Maße erhöhen, wie sie tatsächlich eine Preissenkung bewirkt.

Die Krisenländer waren in der Phase des billigen Kredits, die mit dem Euro gekommen war, inflationär aufgeblasen worden. Dadurch ging die Wettbewerbsfähigkeit verloren. Es entstanden Leistungsbilanzdefizite und riesige Außenschulden. Nun, da die Kapitalmärkte diese Defizite nicht mehr zu finanzieren bereit sind, muss der Rückwärtsgang bei den Preisen eingelegt werden. Aber der ist offenkundig blockiert.

Im Jahr 2010 war die Inflation in einigen Krisenländern hinter der der Wettbewerber im Euro-Raum ein wenig zurückgeblieben. Die neuesten Eurostat-Zahlen für das dritten Quartal 2011 bieten aber schon wieder ein anderes Bild. Danach hat sich das Preisniveau im Jahresvergleich in Portugal und Griechenland gegenüber dem des Rests der Euro-Zone praktisch nicht verändert, und in Italien und Spanien ist es sogar leicht gestiegen (plus 0,4 Prozent beziehungsweise 0,3 Prozent).

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Sozialisierung von Schulden

Kommentare zu " Gastkommentar: Zeit für ein Euro-Sabbatical"

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  • Gut, dass Herr Sinn auch auf die Folgen hinweist, die eine Lösung des griechischen Wettbewerbsproblems innerhalb der Eurozone - dem von der Politik gewünschten Szenario - erfordert. Man sollte sich klarmachen, dass der Prozentsatz der potenziellen Abwertung einer neuen Drachme seine Entsprechnung nicht nur im Prozentsatz der Senkung der Löhne und Preise sondern auch des BIP hätte. Das könnten den Schätzungen nach bis zu 50 Prozent sein Daraus ergeben sich zwei wesentliche Erkenntnisse: 1. Wesentliche Teile der Schulden werden nicht zurückgezahlt und 2. Jegliche Aufbauhilfe würde die Preisanpassung verzögern und eine Wettbewerbssteigerung verhindern. Das hat die Politik nicht erkannt oder im besten Fall wider besseren Wissens falsch kommuniziert.

  • @ Delinix

    Dass das griechische Staatswesen seit annodazumal bankrott ist und auch in Zukunft bankrott sein wird, ist in der Mehrheit bekannt. Aber das Thema hat mittlerweile nun außenpolitische Dimensionen. Ich zitiere die F.A.Z. " Nicht nur in Berlin wird darüber diskutiert, ob die beitrittswilligen Staaten des Balkans( außer Serbiensind das Mazedonien, Montenegro, Bosnien,Hercogovina. Kosovo und Albanien ) nicht besser mit privilegierten Partnerschaften auf Abstand zu haltern seien. Athen verdarb die Preise für seine balkanischen Nachbarn im Norden. Sollte der Erweitrungsprozess nach Aufnahme von kroatien längerfristig oder gar dauerhaft zum Stillstand kommen, verliefe die Grenze zwischen der EU und dem Balkan (mit Ausnahme Bulgariens) über weite Strecken in etwa dort, wo schon zu Zeiten des Osmanischen reiches der Limes zwischen westlicher und östlicher Welt auszumachen war. Will die EU das?"
    Das schrieb Herr Martens...

  • @puk. Das Geld fliesst doch schon seit mindestens 30 Jahren. Wer hat es denn wohl geschickt? Es kam aus Brüssel und also auch von Ihnen. Sie klammern sich an Zahlen fest, schön und gut. Ich mache Sie aber darauf aufmerksam, dass sicher ein Teil dieser Zahlen auch von der griechischen Statistikbehörde kommen... Sie kennen sicher das in Brüssel kursierende geflügelte Wort über unfassbare Unglaublichkeiten: "greek statistics", haha.

    Und was die neuerdings entstandenen Superschulden anbetrifft, von denen Sie sich offenbar nicht vorstellen können, dass D daran nichts verdienen wird: warten Sie doch ein wenig ab, Sie dürfen schon noch den Rest bezahlen! Beschweren Sie sich dann aber nicht darüber, dass Ihre Rente so anders aussieht als erwartet oder dass die Rendite Ihrer Lebensversicherung futsch ist.

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