Gedanken zum Begriffspaar
Markt und Kultur

Europäische Denker haben lange und intensiv über den Begriff des Marktes und seine Bedeutung räsoniert. Wie viel individuellen Freiraum lässt die Wirtschaft zu? Ein historisch-philosophischer Spaziergang von Voltaire über Hayek bis in die Gegenwart.

Wenn wir von Markt reden, tun wir das gemeinhin im ökonomischen Sinn. Aber in ihren besten Zeiten haben europäische Denker lange und intensiv über den Begriff des Marktes und seine Bedeutung räsoniert. Sie haben dabei einen Begriff von Markt zu Grunde gelegt, der nahezu jeden Bereich des täglichen Lebens wie Politik, Familie und Kultur umfasst. Nicht zuletzt haben europäische Intellektuelle immer wieder auch über das Begriffspaar Markt und kulturelle Vielfalt nachgedacht.

Kulturelle Vielfalt wird in modernen liberalen Gesellschaften stets als etwas Gutes angesehen, obwohl nicht immer klar ist, warum dies eigentlich der Fall sein soll. Da gibt es zum einen die ganz pragmatische Sicht. Diese besagt, dass es ganz einfach vielfache und legitime Interessen in einer Gesellschaft gibt, die man nicht unterdrücken kann und mit denen man leben muss. Die zweite Sicht ist jene der Liberalen. Diese besagt: Wir sind uns eben nicht ganz klar darüber, welcher Weg, das Leben zu leben, der richtige ist. Deshalb bevorzugen wir es, verschiedene Möglichkeiten zu haben, ohne einer Sichtweise den absoluten Vorzug zu geben.

Eine dritte Sichtweise knüpft daran an und besagt, dass Unterschiede an sich etwas sehr Wertvolles sind, weil die Menschen eben sehr verschieden sind. Das ist sozusagen die romantische Sichtweise, die auf Johann Gottfried Herder und das 18. Jahrhundert zurückgeht und dann von Wilhelm von Humboldt im folgenden Jahrhundert weitergeführt wurde.

Wenden wir uns also zuerst dem Markt zu: Eines der stärksten Argumente, die seit nunmehr fast 300 Jahren für den Kapitalismus ins Feld geführt werden, ist die Behauptung, dass der Austausch von Waren das Nebeneinander verschiedener Kulturen ermöglicht. Andere haben sofort eingewandt, dass dieser kulturelle Pluralismus, der durch den Markt ermöglicht wird, ein moralisches und auch politisches Problem darstellt: Denn es führt zur Abwesenheit von gemeinsamen Werten und kulturellen Standards.

In die gleiche Richtung zielen auch Einwände, dass offene Märkte einen kulturellen Pluralismus zerstören würden und Regierungen geradezu dazu gezwungen wären einzugreifen, um die kulturelle Vielfalt vor den Anforderungen des internationalen Marktgeschehens zu schützen.

Auch der umgekehrte Einwand ist zu hören: Der Markt zerstört die kulturelle Vielfalt, und das sei gut, weil einzelne kulturelle Sonderinteressen es nicht wert seien, erhalten zu werden, und kulturelle Partikularinteressen ohnehin von Übel seien.

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