Geldpolitik
Die Abschreckung der EZB wirkt

Bisher hat die Ankündigung des Staatsanleihekaufs durch die EZB gereicht. Draghi versucht mit Abschreckung die Märkte zu beruhigen. Doch das Muskelspiel hält nicht ewig.
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Im Kalten Krieg zwischen der Nato und dem Warschauer Pakt gehörte die Abschreckung des Gegners mit einem breiten Waffenarsenal zur gängigen Militärstrategie. In Zeiten der Euro-Krise soll das neue Ankaufprogramm von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank die Finanzmärkte vor weiteren Angriffen auf die Staatspapiere von Schuldenländern wie Spanien und Italien abhalten.

Bisher hat allein die Ankündigung von EZB-Präsident Mario Draghi, zur Rettung des Euros Staatsanleihen in unbegrenztem Ausmaß kaufen zu wollen, die beabsichtigte Wirkung entfaltet: Die Renditen spanischer und italienischer Anleihen haben sich so deutlich von den Rekordzinsen von einst sieben Prozent erholt, dass ein Einsatz der gerade beschlossenen "Bazooka" in der nächsten Zeit immer unwahrscheinlicher und auch unnötiger wird.

Natürlich kann niemand vorhersehen, ob der positive Ankündigungseffekt durch das Bondprogramm der EZB in den nächsten Wochen nicht wieder verpufft. Es spricht aber viel dafür, die schärfste geldpolitische Waffe der europäischen Notenbank so lange wie möglich nicht zum Einsatz zu bringen. Denn auch die bereits beschlossenen und geplanten Reformen der Regierungen in Madrid und Rom werden die Zinsaufschläge weiter nach unten drücken. Die erfolgreiche Versteigerung spanischer Staatspapiere war gestern zumindest ein deutlicher Hoffnungswert, dass die Finanzmärkte langsam wieder Vertrauen fassen. Und sobald die Reformen in der Rentenpolitik und auf dem Arbeitsmarkt sichtbare Erfolge zeigen, sollten sich die beiden kriselnden Südländer wieder zu günstigeren Konditionen am Kapitalmarkt refinanzieren können. Ein vorschneller Einsatz der Europäischen Zentralbank würde diese positiven Effekte kaschieren und möglicherweise das Reformtempo in den Krisenstaaten bremsen.

Hinzu kommt, dass nicht nur die spanische und italienische Regierung kein Interesse an einem Antrag auf Hilfsgelder aus dem Europäischen Rettungsfonds haben, die die Voraussetzung für den Kauf von Staatsanleihen durch die EZB wäre. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel will nach Möglichkeit vermeiden, dass nach Griechenland, Irland und Portugal weitere Länder Milliardenhilfen beantragen, um in den Genuss der EZB-Bazooka zu kommen. Zu groß ist im Kanzleramt derzeit die Sorge, dass der Bundestag eine Ausweitung der Rettungseinsätze deutscher Steuergelder in Europa verhindern könnte. Eine mögliche Ablehnung würde aber nicht nur die Lösung der Euro-Krise, sondern auch die Macht der Kanzlerin erheblich gefährden. Um eine Abstimmungsniederlage zu verhindern, bliebe Merkel nichts anderes übrig, als auf ihre schärfste und vielleicht letzte Waffe zurückzugreifen, um für maximale Koalitionsdisziplin zu sorgen - sie müsste die Vertrauensfrage stellen.

Bevor es dazu kommt, vertraut Merkel auf das Muskelspiel der EZB und den Willen anderer Regierungschefs, die Wettbewerbsfähigkeit im eigenen Land zu steigern.

Sven Afhüppe
Sven Afhüppe
Handelsblatt / Chefredakteur

Kommentare zu " Geldpolitik: Die Abschreckung der EZB wirkt"

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  • @DerGlaubezählt
    Und Kredite haben ihrer Wortherkunft nach mit "Glauben" zu tun.

    Was bei einer solchen Handlungsweise herauskommt, sehen wir in Spanien mit seiner Immo Blase.

    Sie dürfen die großen Investoren nicht für blöd halten. Ihr Risiko auf Schuldenschnitte hat sich erhöht und die Zinsen für Krisen Staatsanleihen sollen fallen? In ganz kurzer Zeit werden sie Fakten, welche ja nicht besser sondern schlechter werden, kräftige Zinssteigerungen hervorrufen. Dann muß Dragi die Notenpresse zum Glühen bringen. Auf das wieder Einziehen des Gedruckten können sie lange warten. Wo sollen die Schuldner das Geld hernehmen?. Augenwischerei für die dummen Deutschen.

    Die Aussichten sind nicht wirklich gut.

    Schönen Abend noch.

  • sind ihnen ihre beiträge hier nicht selber peinlich?

  • Ein Teufelskerl, dieser Draghi. Den Markt mit seinen eigenen Waffen geschlagen. Behavioural Finance im Feldversuch. Einfach mal allen dämlichen, institutionellen Investoren erzählt, was sie hören wollen und zack, die springen drauf wie eine Rotte läufiger Hündinnen. Mit viel Glück ist ne Zeit Ruhe im Gebälk und die makroökonomischen Daten der Krisenländer drehen ein wenig. Es reicht schon, wenn das Agenda Setting der Massenmedien sich wieder auf andere Themen fokussiert, siehe USA. Da stand die Nation tatsächlich kurz vor dem Ruin und zack, neuen (Schulden-) Haushalt aufgestellt und gegessen war der Käse. Steht die USA deshalb besser da? Nein, aber das Augenmerk wurde auf die Eurozone gerichtet. Probleme gibt es keine, solange man sie nicht als solche empfindet. Und Kredite haben ihrer Wortherkunft nach mit "Glauben" zu tun. Solange alle weiter an den guten Ausgang "glauben", wird auch nix passieren.

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