Geldpolitik
Kommentar: Am Wendepunkt

Jammern zwecklos! Die Zinswende ist erreicht. Wer bislang auf eine weitere Lockerung der geldpolitischen Zügel in diesem Jahr gesetzt hat, der sollte schnell umdenken. Der nächste Zinsschritt der Europäischen Zentralbank geht nach oben.

Jammern zwecklos! Die Zinswende ist erreicht. Wer bislang auf eine weitere Lockerung der geldpolitischen Zügel in diesem Jahr gesetzt hat, der sollte schnell umdenken. Der nächste Zinsschritt der Europäischen Zentralbank geht nach oben. Bis dahin wird es jedoch noch eine ganze Weile dauern – mindestens bis November. Danach wird das Terrain unsicher. Es bleibt abzuwarten, welche Signale die Wirtschaft in den nächsten Monaten aussenden wird.

Fakt ist: Seit Juni verharrt der Schlüsselzins der Zentralbank mit zwei Prozent auf dem niedrigsten Stand der Nachkriegsgeschichte aller Euro-Länder. Fakt ist auch, dass der Optimismus mit Blick auf eine baldige wirtschaftliche Erholung wächst. Bestes Beispiel ist der gestiegene Konjunkturoptimismus, den das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung festgestellt hat. Zugegeben, Hoffnungen und Erwartungen basieren vor allem auf Psychologie. Doch dies ist bereits die halbe Miete. Mit der Konjunktur kann es nur dann aufwärts gehen, wenn die Unternehmen an bessere Zeiten glauben.

Von diesem Einfluss kann sich auch die EZB nicht ganz frei machen. Von ihrer Seite aus hat die Zentralbank in jedem Fall alles getan, damit sich die wirtschaftliche Lage aufhellt. An einem Mangel an Liquidität liegt es nicht, wenn die Konjunktur nicht anspringt.

Für die Märkte ist das aktuelle Zinsniveau ohnehin Schnee von gestern. Der für Investitionen entscheidende langfristige Zins hat das Tal längst verlassen. Doch das ist kein Hindernis, wenn die Geschäftsaussichten stimmen. Dazu können in Deutschland Regierung und Opposition beitragen. Die Reformvorhaben müssen zügig umgesetzt und die Steuern gesenkt werden.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
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