Geldsegen für das Finanzministerium
Bundesbank: Gewinne in der Krise

Eigentlich beginnen Geschichten in diesen Tagen immer mit einer Hiobsbotschaft. Da rutscht die deutsche Wirtschaft in die schwerste Rezession der Nachkriegsgeschichte, die Zahl der Arbeitslosen droht wieder über die Schwelle von vier Millionen zu klettern und die Verluste der Banken erreichen neue Negativrekorde. Nach positiven Meldungen muss man lange suchen, aber es gibt sie.

Der Grund für den unverhofften Geldsegen aus Frankfurt liegt nicht allein am geringeren Wertberichtigungsbedarf für Währungsreserven, insbesondere für die Dollarbestände der Notenbank. Auch die höheren Zinseinnahmen aus Refinanzierungsgeschäften erklären den zu erwartenden Bundesbank-Gewinn nur teilweise. Eine beträchtliche Summe kassiert die Bundesbank über die kurzfristigen Einlagengeschäfte der Banken. Weil sich die privaten Geschäftsbanken trotz des Rettungspakets der Bundesregierung immer noch nicht über den Weg trauen, legen sie überschüssiges Geld lieber zu schlechteren Konditionen bei der Europäischen Zentralbank an, als sich untereinander Kredite zu geben. An den Zinseinnahmen aus diesen Sicherheitsanlagen der Banken verdient auch die Bundesbank. Notenbank-Präsident Axel Weber ist so gesehen einer der wenigen Krisengewinnler.

Allen Beteiligten sollte aber auch klar sein, dass es sich tatsächlich um eine Sondersituation handelt. Sobald der Interbankenmarkt wieder läuft, schmilzt der Bundesbank-Gewinn sukzessive dahin. Die Freude der Notenbanker dürfte daher nur von kurzer Dauer sein.

Sven Afhüppe
Sven Afhüppe
Handelsblatt / Chefredakteur
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