Geldtransprte
Absurde Nachlässigkeit

Wenige Monate nachdem bei Heros, dem Marktführer der Geldtransportunternehmen, ein riesiger Betrugsskandal aufgedeckt wurde und das Unternehmen pleite ging, hat die Staatsanwaltschaft die Geschäftsführer eines weiteren großen Geldtransporteurs wegen Unterschlagungen in Millionenhöhe festgenommen.

Für die Kunden der Branche, vor allem Banken und Einzelhandel, sollte dies allemal Grund genug sein, genau zu prüfen, wem sie ihre Kassenbestände anvertrauen. Beide Unternehmen sind mit besonders günstigen, um nicht zu sagen unrealistisch günstigen Konditionen aufgefallen. Bei Dumping-Angeboten müssten die Alarmglocken schrillen.

Richtig unter Druck stehen jetzt allerdings Gesetzgeber und Aufsichtsbehörden. Eine Genehmigungs- und Aufsichtspflicht zur Vermeidung von Geldwäsche gibt es bereits seit Jahren. Bundesbank und Bundesagentur für Finanzdienstleistungsaufischt drücken sich aber hartnäckig davor, ihre Aufsichtspflicht zu erfüllen. Damit haben sie dazu beigetragen, in einer sensiblen Branche ein Klima entstehen zu lassen, das Betrug und Unterschlagung begünstigt. Das Bundesfinanzministerium sah auch nach dem Heros-Skandal keinen Grund, den Aufsichtsbehörden Beine zu machen oder Gesetzesinitiativen zu ergreifen.

Dabei grenzt es schon ans Alberne, welche Kosten Banken auferlegt werden, um Geldwäsche zu vermeiden, während jeder, der Geld waschen will, ganz legal ein Geldtransportunternehmen gründen kann. Er tut dies wahrscheinlich nur deshalb nicht, weil es noch einfachere Wege gibt.

Aber ganz abseits der Geldwäsche ist es absurd, dass Unternehmen, die täglich mit bis zu 500 Mio. Euro Kundengeldern hantieren, nicht besser überwacht werden als jede Frittenbude.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent
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