General Motors: Kommentar: Mit blauem Auge

General Motors
Kommentar: Mit blauem Auge

In der Konzernzentrale in Detroit wird sich in den nächsten Tagen Erleichterung breit machen: General Motors (GM) muss die Autosparte des italienischen Fiat-Konzerns nicht mehr übernehmen. GM zahlt den Italienern schätzungsweise 1,5 Milliarden Dollar, damit Fiat nicht die Put-Option aus dem Jahr 2000 zieht, mit der das Turiner Unternehmen die Amerikaner zur Übernahme hätten zwingen können.

General Motors kommt mit dem blauen Auge davon. Denn mit der Einigung bleibt dem US-Konzern die mühsame Sanierung der angeschlagenen Fiat-Autosparte erspart. Dies müssen die Italiener jetzt selbst bewältigen. GM kann sich aus dem engen Beziehungsgeflecht aus Unternehmen, Gewerkschaften und italienischem Staat heraushalten – eine Gemengelage, bei der sich die Amerikaner wahrscheinlich die Finger verbrannt hätten.

Der Einstieg bei Fiat vor fünf Jahren ist einer der größten Fehler des GM-Konzerns in dessen jüngerer Geschichte. In Detroit herrschte damals der Gedanke vor, dass in der Automobilindustrie allein Größe zähle. Mit Fiat wollte der Konzern seine europäische Basis massiv erweitern. Opel und Saab reichten den GM-Verantwortlichen nicht mehr, Fiat sollte unbedingt dazukommen.

Doch schon bald mussten die GM-Manager eingestehen, dass sie mit Fiat ein extrem angeschlagenes Unternehmen ins Konzernreich geholt hatten. Die Krise in der europäischen Automobilindustrie leistete das Übrige: Die Zeichen stehen eher auf Kapazitätsreduzierung und Werksschließungen denn auf Zukäufe.

Die Trennung von GM und Fiat ist ein Signal für die gesamte Automobilbranche: Der Einstieg bei einem Konkurrenten sollte sehr genau überlegt sein.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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