Gentechnik
Bayerische Spontis

Früher riefen Spontis hin und wieder von Atomwaffen freie Zonen in Deutschland aus. Ähnliches in Grün erträumt sich offenbar die CSU nun für Bayern: Sie will die Felder und Wiesen im Freistaat möglichst gentechnikfrei bebauen. Und damit Erfolge beim Agrarmarketing feiern.

Das bringt nun den Christsozialen Horst Seehofer, in der Berliner Koalition zuständig für Landwirtschaft und Verbraucherschutz, in die Bredouille. Denn der Minister hat die Novelle des Gentechnikgesetzes seit seiner Amtsübernahme vor sich hergeschoben. Wie man das eben so macht mit unangenehmen Hausaufgaben. Doch seine Chefin Angela Merkel ist bei der Wirtschaft im Wort: Die Barrieren gegen die grüne Gentechnik sollen endlich fallen. Und Forschungsministerin Annette Schavan will dafür sorgen, dass die Pflanzenforschung der Molekularbiologen nicht endgültig ins Ausland abwandert.

So braut sich also ein handfester Krach zwischen den Schwesterparteien zusammen. Und dieser könnte größere Kreise ziehen, denn auch Umweltminister Sigmar Gabriel und dessen SPD sind der Gentechnik alles andere als freundlich gesinnt.

Sollte die Öko-Allianz aus SPD und CSU nun über Kanzlerin und Forschungsministerin obsiegen, dürfte dies für Angela Merkel peinlich werden. Denn gerade mit Blick auf die anstehende EU-Präsidentschaft wollte sie sich als supermodern, forschungs- und innovationsfreundlich präsentieren. Da Deutschland schon bei der roten Gentechnik eine restriktive Sonderrolle in Europa spielt, würde ein Sonderweg bei der grünen Gentechnik den Eindruck von den technologiescheuen Deutschen verstärken. Da hilft dann auch der Verweis auf die Elite-Unis im von Gentechnik freien Bayern nicht mehr viel.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin
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