Georgien
Ende des Burgfriedens

Hält sich Georgiens Präsident Michail Saakaschwili nach dem Einmarsch Russlands noch lange im Amt? Dass Moskau sich des georgischen Präsidenten entledigen will, steht außer Frage.

Hält sich Georgiens Präsident Michail Saakaschwili nach dem Einmarsch Russlands noch lange im Amt? Dass Moskau sich des georgischen Präsidenten entledigen will, steht außer Frage. Zu lange tanzte er den Russen auf der Nase herum, und sein Drängen in die Nato wird vom Kreml als Bedrohung gesehen. Mittlerweile stellen aber auch die Georgier kritische Fragen.

Ob die massive Militärintervention Moskaus den Interessen Russlands wirklich gedient hat, darf getrost hinterfragt werden. Denn sie hat Moskaus Image in der Welt nachhaltig geschädigt. Selbst Russland-freundliche Appeasementpolitiker - abgesehen vom Gazprom-Angestellten Gerhard Schröder - überdenken alte Positionen. Es herrscht, zumindest in Teilen Osteuropas, aber inzwischen auch darüber hinaus, wieder Angst vor dem russischen Bären.

Vor allem aber gilt dies in Georgien. Und wie auch immer Saakaschwili einmal in den Geschichtsbüchern beurteilt werden wird: Eines werden die Russen nicht schaffen - jemals wieder ein prorussisches Regime in Tiflis zu etablieren. Niemand in Georgien will sich von Moskau eine Regierung aufzwingen lassen. Die Chance, ein prorussisches Regime in dem südkaukasischen Land zu etablieren, so sagt es ein Top-Banker in Tiflis, habe Moskau "für Jahrhunderte verspielt". Der Bär hat sich mit seiner Armee einen Bärendienst erwiesen.

Am Ende könnte er womöglich gedemütigt werden. Denn Saakaschwili könne aus dieser Krise sogar noch als Held hervorgehen, wenn er seinem Volk mehr einbringe, als der Verlust Südossetiens und Abchasiens koste, meint nicht nur der Banker. Dabei kommt es auch auf den Westen an: Saakaschwili kann sich behaupten, wenn Georgien massive Hilfslieferungen erhält und das Tor zur Mitgliedschaft in Nato und EU geöffnet wird.

Zunächst aber muss sich Saakaschwili innenpolitischen Herausforderungen widmen. Georgien steht vor dem wirtschaftlichen Ruin. Das Land verliert täglich Millionen an Einnahmen aus dem Transit von Öl und Gas, weil Aserbaidschan aus Angst vor russischen Angriffen die von Baku über Georgien in die Türkei führenden Rohrleitungen nicht mehr befüllt. Die Sprengung einer Eisenbahnbrücke, über die die Trasse aus dem Schwarzmeerhafen Poti in die Hauptstadt führt, bedroht die Versorgung weiter Teile Georgiens mit Importen und legt die Exporte ebenso lahm wie die Blockade dieser Landstrecke durch russische Panzer. Russland führt auch einen Wirtschaftskrieg.

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