Gerd Schulte-Hillen legt Amt nieder
Kommentar: Abseitsfalle für "Bela"

Die Abseitsfalle funktioniert in Gütersloh noch immer gut. Mit seinem Veto gegen die geplante Zusammenlegung der Musiksparten von Bertelsmann und Sony hatte Gerd Schulte-Hillen als Aufsichtsratschef endgültig isoliert.

„Belas“ Kritik an der völlig unausgegorenen Fusion hat das Fass zum Überlaufen gebracht, sein Plädoyer gegen eine Hochzeit mit den Japanern wurde als Majestätsbeleidigung empfunden. Und am Ende des Tages war der letzte Kritiker in der Führungsspitze des Medienriesens ein einsamer Bertels-Mann.

Mit dem Ausstieg von Schulte-Hillen geht bei Bertelsmann eine Ära zu Ende. Gerade die von Reinhard Mohn geprägte und von Schulte-Hillen gelebte Unternehmenskultur Fehler anzusprechen und Kritik offen zu äußern, machte Bertelsmann zu einer einmaligen Erfolgsgeschichte. Schulte-Hillen hatte daran großen Anteil. Sein Fehler war nur, dass er nicht einsehen wollte, dass diese alten Tugenden seit dem Abgang des Vorstandschefs Thomas Middelhoff kaum noch zählten. Spätestens seit dem öffentlichen Schlagabtausch mit der mächtigen First Lady Liz Mohn war klar, dass Kritik vor allem als Angriff verstanden wird. Dass sollte Konsequenzen haben. Es war deshalb nur noch eine Frage der Zeit, bis Liz Mohn und ihr Vertrauter Konzernchef Gunter Thielen „Bela“ endgültig vom Spielfeld drängen konnten.

Mit dem spektakulären Abgang von Schulte-Hillen droht aber auch Bertelsmann in die Abseitsfalle zu laufen. Es waren gerade unternehmerisch handelnde Manager mit der richtigen Mischung aus Bescheidenheit, Härte und Weltoffenheit, die Bertelsmann zu Europas größtem Medienkonzern machten. Genau der Mangel an solchen Führungspersönlichkeiten könnte sich mittelfristig bitter rächen. Die Folgen wären verheerend.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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