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Gereifte Aktionäre

Das Jahr beginnt gut: Der Deutsche Aktienindex springt erstmals seit anderthalb Jahren über 4 000 Punkte, und die gebeutelte Volksaktie der Telekom notiert wieder über dem Ausgabekurs der ersten Tranche. Umso erstaunlicher ist, dass die Privatanleger noch nicht wieder an die Börse stürmen.

Das Jahr beginnt gut: Der Deutsche Aktienindex springt erstmals seit anderthalb Jahren über 4 000 Punkte, und die gebeutelte Volksaktie der Telekom notiert wieder über dem Ausgabekurs der ersten Tranche. Zudem sind die Aussichten für Aktionäre günstig: Der Dax dürfte seine Rally nach dem Zuwachs um 37 Prozent im letzten Jahr fortsetzen. Schließlich zieht die Konjunktur an, die Unternehmensgewinne steigen, und deutsche Aktien gelten als niedrig bewertet. Zudem: Der starke Euro bremst den Dax weniger als befürchtet, und nicht zuletzt dürften junge Menschen Aktien zur privaten Altersvorsorge kaufen. Dies sollte die Aktienkultur in Deutschland eigentlich beleben.

Umso erstaunlicher ist, dass die Privatanleger noch nicht wieder an die Börse stürmen. Statistiken des Deutschen Aktieninstituts belegen: Die Zahl der Aktionäre und der Besitzer von Aktienfondsanteilen ist im ersten Halbjahr 2003 gegenüber der zweiten Jahreshälfte 2002 sogar leicht gesunken. Und private Anleger fassen auch erst langsam wieder Mut zu Engagements in Fonds. Den Dax-Aufschwung seit März haben sie jedenfalls im Gegensatz zu den Profis verpasst.

Doch die neue Vorsicht der Privatanleger fördert die Aktienkultur hier zu Lande mehr, als dass sie ihr schadet. Sie unterstützt die notwendige Stabilisierung der jungen Kultur jedenfalls eher als jene Gier, die die Anleger während des Booms Ende der neunziger Jahre trieb, als wahllos Aktien ins Depot geschaufelt wurden. Es wäre daher falsch, den Reifegrad der Aktienkultur nur an Erwerbs- und Besitzzahlen zu messen. Entscheidend ist vielmehr, dass sich die Investoren wieder vernünftiger verhalten: Sie wählen sorgfältiger aus und streuen die Risiken breiter. Und damit sind sie besser für den Börsenhandel gerüstet. Zudem sind seltener Kurseinbrüche zu erwarten, die durch unsichere und dann gleichzeitig aussteigende Anleger mitausgelöst werden.

Auch der Staat und die Unternehmen tragen zu einer besseren Aktienkultur bei. So hat das Finanzministerium kürzlich Regeln gegen Kursmanipulation verabschiedet, und die Unternehmen informieren im Schnitt sachlicher über wichtige firmenbezogene Ereignisse als früher. Damit hat sich die Aktienkultur auch qualitativ verbessert – ein guter Nährboden für steigende Kurse.

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