_

Geschäftsjahr 2009: Commerzbank: Es kommt noch schlimmer

Die Commerzbank steht vor einem schweren Jahr. Noch dazu kommt, dass die paar Lichtblicke, die das Bankhaus zu bieten hat, auch nicht frei von Schatten sind.

Logo der Commerzbank: 2009 könnte es für das Institut noch schlimmer kommen. Quelle: ap
Logo der Commerzbank: 2009 könnte es für das Institut noch schlimmer kommen. Quelle: ap

"Lassen Sie sich vom vierten Quartal nicht täuschen, wir gehen davon aus, dass es noch schlimmer kommt", hieß es kürzlich in einer Analystenstudie zu deutschen Banken. Wie grausig es für die Commerzbank 2009 kommen dürfte, mag man sich da nach der Lektüre der vorläufigen Geschäftszahlen für das vergangene Jahr lieber erst gar nicht vorstellen.

Anzeige

Sicherlich: Es gibt nicht nur Schatten. Da ist zum einen der - eher symbolische - Nettogewinn von drei Mio. Euro. Viel wichtiger aber: Privat- und Firmenkundengeschäft konnten sich im Krisenjahr einigermaßen wacker halten. Und zu guter Letzt: Der Staat, der 16,4 Mrd. Euro an stillen Einlagen in die Bank gesteckt hat, darf mit einer Verzinsung rechnen - ebenso wie die übrigen Besitzer von hybriden Anleihen und Genussscheinen.

Das war es aber dann auch im Wesentlichen mit den guten Nachrichten. Und bei genauerem Hinsehen wird deutlich, dass manche der vermeintlichen Lichtblicke dunkler als gedacht ausfallen. So hat die Commerzbank etwa 1,1 Mrd. Euro an Belastungen in der Neubewertungsrücklage verbucht und damit das Ergebnis zunächst geschont. Wären im vergangenen Jahr die Bilanzierungsvorschriften nicht gelockert worden, würde es an dieser Stelle sogar um einen Negativbetrag von 1,85 Mrd. Euro gehen.

Viel alarmierender ist aber der Umstand, dass sich die Risikovorsorge auf einen Schlag fast vervierfacht hat. Bedenkt man, dass die Rezession gerade erst begonnen hat, verheißt das wenig Gutes für 2009. Die Welle der faulen Kredite kommt erst noch. Zugleich zeigt der Blick auf das vierte Quartal, dass auch das operative Geschäft immer stärker unter der Wirtschaftskrise leidet. Beispiel Osteuropa: Hier brach der Gewinn im Schlussquartal auf 19 Mio. Euro ein. Von den bekannten Baustellen wie der Staats- und Immobilienfinanzierung zu reden, ist ohnehin müßig. Die Tochter Eurohypo, in der diese Geschäfte gebündelt sind, hat 2008 über 1,2 Mrd. Euro Miesen eingefahren. Die Commerzbank muss in den beiden Segmenten erst noch beweisen, dass sie ein Geschäftsmodell für die Zukunft hat.

Alles spricht dafür, dass es 2009 für die Commerzbank noch schlimmer kommt. Da ist die Integration der Dresdner Bank - eine ohnehin schon gewagte Mission, die in diesem Marktumfeld zum wahren Himmelfahrtskommando wird. Schon alleine die Restrukturierungskosten werden das Ergebnis mit Milliarden belasten. Hinzu kommt die wachsende Zahl an Kreditausfällen. Wenn man bedenkt, dass die Commerzbank inklusive Dresdner alleine mit fünf Mrd. Euro bei den angeschlagenen Autozulieferern Continental und Schaeffler engagiert ist, bekommt man ein Gefühl für das Ausmaß der bestehenden Risiken.

Auch wenn der Januar offenbar gut lief - die Commerzbank selbst spricht für 2009 von einem "sehr schwierigen Jahr". Das ist untertrieben: 2009 kann die Mannschaft um Bankchef Martin Blessing abschreiben.

  • Kommentare
Kommentar: Iran-Krise bedroht die Weltwirtschaft

Iran-Krise bedroht die Weltwirtschaft

Iran ist bei den Atomgesprächen erneut auf Konfrontationskurs gegangen. Jetzt ist schnelles Handeln gefordert. Kommt es zum Konflikt, stürzt die Welt in eine tiefe Wirtschaftskrise.

Kommentar: Was traurige Bilder nicht erzählen

Was traurige Bilder nicht erzählen

Die ARD nimmt in einer Dokumentationsreihe die Arbeitsbedingungen bei prominenten Konzernen aufs Korn. Damit steigt die Chance auf Besserung der Firmen. Gemachte Fortschritte bleiben oft verdeckt.

  • Kolumnen
Dutschke spricht: The War on Women

The War on Women

Frauen werden in den USA noch immer stark benachteiligt. Das reicht von überteuerten Konsumprodukten für Frauen bis hin zur restriktiven Abtreibungsrichtlinien. Beim Schutz der Frauen hinken die Amerikaner uns hinterher.

Was vom Tage bleibt: Die Tage des „Bankjogs“ nahen

Die Tage des „Bankjogs“ nahen

In Spanien mehren sich Krisensymptome, sodass Banker über den gefürchteten „Bankrun“ nachdenken. Ganz so schlimm wird es nicht. Allerdings ist auch die Vatikanbank mit sich selbst nicht im Reinen. Der Tagesbericht.

Handelsblog Feuert die Dicke Bertha in die falsche Richtung?

Ein Kernproblem im Euro-Raum ist, dass es in den Krisenstaaten einen gefährlichen Link gibt zwischen dem Bankensystem und den Staatsfinanzen dieser Länder. Geldinstitute in Griechenland, Spanien, Irland und anderen Ländern stehen mit dem... Von Olaf Storbeck. Mehr…

Handelsblog Das Versagen von Bayern München, ökonomisch erklärt

Der Ausgang des Champions-League-Finales ist nicht nur peinlich für die Bayern, sondern auch für mich persönlich. Ausgehend vom Marktwert der Spieler hatte ich prognostiziert, dass Bayern gewinnen wird - weil die Mannschaft rund 30% mehr... Von Olaf Storbeck. Mehr…

  • Gastbeiträge
Essay Jürgen Fitschen: Die Sünden der Finanzwirtschaft

Die Sünden der Finanzwirtschaft

Die Finanzbranche hat massiv an Ansehen verloren. Ohne sie würde unser Wirtschaftssystem aber zusammenbrechen, sagt Jürgen Fitschen. Ein Essay des designierten Co-Chefs der Deutschen Bank über die Zukunft der Branche.

Gastbeitrag: Gut gemacht, Chefin!

Gut gemacht, Chefin!

Angela Merkel führt ihre Regierung, wie es in der Wirtschaft gang und gäbe ist. Und doch hagelt es Kritik. Dabei handelt Merkel nur wie ein Manager. Endlich mal - sagt einer der bekanntesten Headhunter Deutschlands.

Otmar Issing: Keine Experimente mit der Inflation

Keine Experimente mit der Inflation

Um zu überleben muss die Währungsunion zum Gleichgewicht zurückfinden. Von Deutschland zu fordern, die eigene Wettbewerbsstärke zu verwässern, ist aberwitzig. Aber es gibt andere Lösungen.

  • Presseschau
Presseschau: „Spaniens Tage sind gezählt“

„Spaniens Tage sind gezählt“

Die Verstaatlichung der spanischen Großsparkasse Bankia ist nach Medieneinschätzung nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die entscheidende Frage sei, wie Spanien die Rettungsmaßnahmen bezahlen wolle. Die Presseschau.